Nicholas Boyle

Kleine deutsche Literaturgeschichte

Cover: Kleine deutsche Literaturgeschichte
C. H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406586637
Gebunden, 272 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit 44 Abbildungen und 1 Karte. Nicholas Boyle stellt in seiner Geschichte der deutschsprachigen Literatur die wichtigsten Autoren und Werke vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart vor. Gleichzeitig zeigt er, wie die Literatur zu allen Zeiten auf politische und soziale, auf religiöse und philosophische Entwicklungen reagiert hat. So erzählt Boyle mit der Geschichte der Literatur auch die Geschichte der Gesellschaft, der die Autoren und die Leser entstammten. Dabei wird deutlich, wieso die Literatur in Deutschland, Österreich und der Schweiz oft ganz unterschiedliche Wege beschritt. Boyle läßt 1200 Jahre deutsche Literatur in ihrer ganzen Vielfalt zur Sprache kommen und verfolgt die Traditionslinien, die auch über scheinbare Brüche und Zäsuren hinwegführten. Sein Buch hebt die literarischen Glanz- und Höhepunkte hervor, die sich einzelnen Persönlichkeiten ebenso verdankten wie der historischen Stunde, und es verzeichnet die Flauten, Sackgassen und verpassten Chancen. Überall hat Boyle auch die übrige europäische Literatur im Blick, der die deutsche manchmal vorauseilte, manchmal hinterherhinkte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.01.2010

Solche Standardwerke hätte sich Katharina Rutschky als Germanistikstudentin gewünscht: die bereits 2002 erstmals erschienene "Kurze Geschichte der deutschen Literatur" von Heinz Schlaffer und Nicholas Boyles jetzt herausgekommene "Kleine deutsche Literaturgeschichte"! Im Gegensatz zu seinem Vorgänger zeigt sich der Germanist aus Cambridge in seinem Abriss der deutschen Literaturgeschichte vor allem als "Sozialhistoriker und politischer Mensch mit ästhetischem Sinn", stellt die Rezensentin fest. Ihm dienen politische Brüche auch in der Literaturgeschichte als Marksteine, etwa wenn er Werthers "Empfindsamkeit" als Reaktion auf den "Formalismus der Standesgesellschaft" der Zeit deutet. Richtige Freude hat Rutschky an den originellen Thesen Boyles, etwas Bertolt Brechts Werke vor der Emigration seien eher als "Kritisieren von Kunst" denn als Kunst zu betrachten oder Schiller und Goethe hätten sich sehr wohl für die erfolgreiche Vermarktung ihrer Werke interessiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2009

Höchst interessant erscheint Manfred Koch diese deutsche Literaturgeschichte aus angelsächsischer Perspektive. So waghalsig er Nicholas Boyles Versuch auch findet, tausend Jahre Literatur auf 250 Seiten abzuhandeln, so glücklich überrascht zeigt er sich doch auch über den brillanten Erzähler Boyle und die Tragweite des von ihm gewählten mentalitätsgeschichtlichen Zugangs zu kanonischen Werken von Luther bis W. G. Sebald. Dass ein solcher Ansatz nicht neu ist, bei uns allerdings aus Furcht vor Sonderweg-Debatten eher gemieden wird, macht den Rezensenten nur noch neugieriger. Obgleich der Band ursprünglich für das britische Publikum geschrieben wurde, möchte Koch uns die Lektüre keinesfalls vorenthalten wissen. Der Deutsche, so die Vermutung, könne seine Eigenarten durchaus im Spiegel von Genieästhetik und staatsbeamteten Schriftstellern erkennen und umgekehrt den Gang der deutschen Literaturgeschichte in der eigenen Mentalität. Wenn der Autor seine Thesen und (durchaus auch ungerechten) Urteile mitunter "beherzt" fällt und vorträgt, drückt Koch gern ein Auge zu. Das Buch findet er allemal lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2009

Die Rezensentin Hannelore Schlaffer kann diesem ambitionierten Buch manches abgewinnen; freilich, denkt man bei der Lektüre ihrer im Ton sehr zurückhaltenden Rezension, im Kleinen eher als im Großen. Das Große gibt es, als These: Der in Cambridge lehrende Nicholas Boyle, ausgewiesen durch eine hervorragend aufgenommene Goethe-Biografie, betrachtet, so Schlaffer, die deutsche Literatur politisch. Genauer gesagt: als Literatur von Beamten beziehungsweise von Autoren, die mit dem dominanten Beamtentum mehr oder weniger erfolgreich brechen. Für grundfalsch hält Schlaffer diese Grundthese wohl nicht, große Erkenntnisgewinne bringt sie für ihre Begriffe aber eher partiell. Für deutsche Leser hat das Buch seine Vorzüge etwa im verfremdenden Außenblick. Und immer wieder lohnt sich das Buch dann doch für jeden Kenner: in abweichenden, oft "aphoristisch" formulierten Einschätzungen im einzelnen, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2009

Für eine ganz bravouröse Leistung hält der Rezensent Alexander Kosenina diese komprimierte, für den englischen Markt geschriebene Geschichte der deutschen Literatur. Nicht nur war, findet er, dem in Cambridge lehrenden Germanisten Nicholas Boyle, der bisher vor allem mit dem ersten Band einer sehr umfangreichen Goethe-Biografie hervorgetreten ist, ein so prägnantes und konzises Werk nicht unbedingt zuzutrauen; es sei überhaupt fast ein Wunder, wie hier auf zweihundert Seiten fast alles Wesentliche gesagt werde und nichts Entscheidendes fehle. Als zentrale Dichotomie macht Boyle, so Kosenina, die Kluft zwischen deutschem Bürger- und Beamtentum aus. Wie er diese Differenz auf weiter Strecke durchhält, scheint dem Rezensenten durchaus plausibel. Ein paar Probleme des Bandes werden dann aber auch benannt: Vor allem die nicht-deutsche deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts komme, ausgelagert in knappe Kapitel, arg kurz. Am insgesamt höchst positiven Eindruck ändert das aber offenkundig recht wenig.
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