Peter-Andre Alt

Ästhetik des Bösen

Cover: Ästhetik des Bösen
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406605031
Gebunden, 714 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Das Böse ist für die Literatur seit der Romantik ein Objekt der offenen Anziehung und lustvoll inszenierten Sympathie. Peter-Andre Alt erschließt die Geheimnisse einer unmoralischen Literatur, die das Böse als ästhetisches Phänomen jenseits aller Werte sichtbar werden lässt. Erzählt wird auf diese Weise eine andere Geschichte des Schönen, von der Nachtseite der europäischen Moderne.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2010

Steffen Martus zeigt sich angesichts von Peter-Andre Alts Buch über die "Ästhetik des Bösen" restlos begeistert. Schon den dramaturgischen Bogen, den der Autor von der Bibel bis zu Niklas Luhmann schlägt, bewundert er als gelungen, und so folgt der Rezensent gefesselt Alts Streifzug durch die deutsche, angelsächsische und französische Literatur, die Sekundärliteratur und die Philosophie. Deutlich mache der Autor, dass das Böse stets im Verhältnis und in Abgrenzung zum Guten geformt ist und sich mit dem biblischen Sturz des Luzifers "gegen eine selbstgenügsame Ewigkeit die Zeitlichkeit etabliert", so der Rezensent fasziniert. Er preist die ungeheure Belesenheit, die klugen Schlussfolgerungen und die glänzenden Einzelanalysen und findet es erfreulich, dass Alt seine Leser auch unerschrocken in die Lektüre philosophischer Literatur von Adorno bis Zizek mitnimmt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2010

Eins kann und will Rezensent Manfred Koch dem Autor dieses hoch umfangreichen Buchs ganz sicher nicht vorwerfen: einen Mangel an Belesenheit. Was Peter-Andre Alt alles literarisch Böses kennt, was er alles in diesem Rundumschlag unterbringt, welche Teufel im Ganzen hier stecken und im Detail: da zieht der Rezensent erst mal den Hut. Sieht aber, nach durchaus noch genau gearbeitetem Auftakt, auch ein Problem. Wer so vielen so vieles bietet, kann auf das jeweilige Werk dann doch nicht mehr wirklich ausführlich eingehen. Es bleibt darum, klagt Koch, so manche der von de Sade bis Littell reichenden Lektüren arg "kursorisch". Dies allerdings bei auf stets hohem Niveau bereitstehenden Begriffsapparaten, die vor allem aus Foucaults und Luhmanns Küche stammen. Übrigens ist Koch mit der Grundthese, die das Böse als Formeffekt und nicht als bloße Thematik begreift, durchaus einverstanden. Wie er ja überhaupt einfach nur lieber weniger gehabt hätte, nicht etwas ganz anderes als das, was er bekommt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2010

Anerkennend äußert sich Rolf Dähn über Peter-Andre Alts Buch "Ästhetik des Bösen", eine eingehende Untersuchung von Herkunft, Wandlungen und Wirkungen des Phänomens des Bösen in der Literatur. Er bescheinigt dem Germanisten einen umfassenden Überblick über die einschlägige Literatur von Goethe, Kleist, Poe und Baudelaire über de Sade, Huysmans und Bataille bis hin zu Kafka, Jünger und Malaparte und schließlich Bret Easton Ellis und Jonathan Littell. Besonders hebt er die Mengen an Material, die Alt verarbeitet hat, sowie seine zahllosen poetologischen und philosophischen Erläuterungen hervor. Allerdings scheint ihm gerade diese Überfülle - er spricht von "Sammelwut" und "Zitierwut" - dem Werk nicht immer gut zu tun, erschwert sie doch bisweilen die Lektüre. Zudem moniert er den teils etwas groben Einsatz der Terminologie Niklas Luhmanns, der in seinen Augen nicht immer einer prägnanten Darstellung dienlich ist. Nichtsdestoweniger findet er das Werk, das sich auch als erhellende "Bewusstseinsgeschichte der Moderne" lesen lässt, insgesamt sehr beeindruckend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.10.2010

Mit gewissem Grundzweifel, ob das Thema adäquat bewältigt wurde, begegnet Maximilian Probst dem neuen Buch des Berliner Germanisten. Und er formuliert es selbst gleich recht böse: aus seiner Sicht nämlich verwechselt Peter-Andre Alt Literatur und Boulevard, weshalb seine Studie im Grunde eine "Ästhetik des Boulevards" und nicht des Bösen in der Literatur sei, auch wenn er beim Lesen immer wieder auf Interessantes stößt. "Angeschoben" findet der Kritiker die Überlegungen der Studie von Karl-Heinz Bohrer und "in Schwung gehalten" von Hans Blumenberg. Auch bescheinigt der Kritiker dem Autor eine geradezu unheimliche Belesenheit, die einen rasanten Überblick über das Genre ermöglicht und erhellende Achsen durch Kultur- und Literaturgeschichte zu schlagen versteht. Im Verlauf der Lektüre wirkt sich die Komplexität der Darstellung aus Kritikersicht deutlich negativ auf die Spannung der Studie aus. Letztlich findet der Kritiker auch, dass Alt heiklen Fragestellungen aus dem Weg gegangen ist, und sich das Böse auch nicht mit dem bedächtigen Ton eines Oberseminars vermitteln lasse.