Helmuth Kiesel
Schreiben in finsteren Zeiten - Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 - 1945
Geschichte der deutschen Literatur, Band 11

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406716119
Gebunden, 1392 Seiten, 68,00 EUR
ISBN 9783406716119
Gebunden, 1392 Seiten, 68,00 EUR
Klappentext
Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutete für die deutschsprachige Literatur eine beispiellose Herausforderung. Zweieinhalbtausend Autoren, darunter die besten, mussten Deutschland verlassen. Wer blieb und sich nicht auf die Seite des NS-Regimes stellte, war von Verfolgung bedroht. Trotzdem entstanden Werke von großer zeitgeschichtlicher Repräsentanz und hohem literarischen Rang. Helmuth Kiesel hat die erste Gesamtdarstellung der Epoche aus einer Hand geschrieben. Sie erschließt ein riesiges literarisches Feld zwischen Regimetreue und Exil und vermittelt ein bewegendes, oft erschütterndes Bild jener Zeit. Helmuth Kiesel widmet sich in seiner großen Epochendarstellung der Literatur des Exils und der inneren Emigration, aber auch regimenahen Autoren, ebenso der österreichischen und schweizerdeutschen Literatur. Dabei stellt er die berühmten Werke der Epoche vor, von Anna Seghers "Das siebte Kreuz" bis Thomas Manns "Doktor Faustus", von Ernst Jüngers "Marmorklippen" bis Hermann Hesses "Glasperlenspiel" und daneben zahlreiche vergessene Bücher, die literarisch bemerkenswert und historisch aufschlussreich sind.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2026
Rezensent Jens Hacke empfiehlt Helmuth Kiesels Buch über den Nationalsozialismus. Für ihn ein glänzendes Beispiel für die Überlegenheit der Gutenberg-Galaxis und der Geisteswissenschaften über KI. Wie Kiesel schreibt, modern, prägnant, mit "exzellentem" historischem Wissen und ganz eigenem Sinn für Verknüpfungen, das erscheint Hacke lesenswert. Der Autor bietet laut Hacke nicht nur ein anschauliches Bild vom NS-Literaturbetrieb, von Lesegewohnheiten und dem Versagen des NS-Staates ein Literaturideal zu etablieren, er schildert neben Bekanntem auch eher unbekannte Schicksale und berichtet von widerständigen Literaten, freut sich Hacke. Dass Kiesel nicht moralisiert, wenn er die Werke über "Machtergreifung", Völkermord, Krieg und Gewalt von Regimefolgern wie -gegnern "hermeneutisch sensibel" auslegt, rechnet Hacke ihm hoch an.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.12.2025
Schon jetzt ein Standardwerk: Rezensent Tilman Krause verneigt sich vor Helmuth Kiesels deutscher Literaturgeschichte der Jahre 1933-45. Die, so erklärt er, notwendigerweise zweigleisig fährt: Einerseits werden Bücher von Exilautoren gewürdigt, andererseits solche, die in Nazideutschland erschienen sind. Unter anderem an eine bahnbrechende Studie Hans Dieter Schäfers anschließend hält sich Kiesel mit moralischen Urteilen grundsätzlich zurück und fragt stattdessen, welche Erfahrungen die Literatur damals abbildete. Als Gemeinsamkeit zwischen Exilanten und jenen, die blieben identifiziert Kiesel zum einen natürlich den Bezug auf den Nationalsozialismus, aber auch Historienromane waren in beiden Lagern beliebt, in NS-Deutschland konnte auf diese Weise subtil Kritik am Hitlerismus geübt werden. Viele der Autoren, die in Deutschland geblieben waren, etwa Jochen Klepper oder Ernst Wiechert, sind im Gegensatz zu Exilanten wie Brecht und den Mann heutes vergessen, erinnert Krause: Dabei brachten gerade diese literarische Innovationen hervor. Und dass auch die Lyrik jener Jahre ihren Platz findet, lässt Krause endgültig jubeln: An diesem Werk kommt man künftig nicht mehr vorbei, meint er.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.11.2025
Ein "Monumentalprojekt" hat Rezensent Enno Stahl vor sich: Der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel hat rund dreißig Jahre an seiner Literaturgeschichte des Nationalsozialismus gearbeitet und nun eine fast 1.400 Seiten starke, äußerst differenzierte Arbeit vorgelegt. Sowohl die Exilautoren wie Brecht oder Anna Seghers wie auch die in Deutschland verbliebenen Hans Fallada oder Marieluise Kaschnitz finden Eingang in seine chronologisch angelegte Darstellung, schildert Stahl, er befasst sich aber auch mit der Literaturpolitik der Nazis und fördert beispielsweise die Erkenntnis zutage, dass kritische Publikation durchaus auch im Dritten Reich möglich waren. Auch, dass die deutschen Leserinnen und Leser durchaus Zugang zu Übersetzungen von Hemingway oder Faulkner hatten, überrascht den Kritiker. Er hätte sich nur gewünscht, dass die Zitate belegt worden wären - ansonsten ist er aber rundum glücklich mit diesem großen Überblick.
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