Herausgegeben von Jürgen Barkhoff, Hartmut Böhme und Jeanne Riou. Was nicht vernetzt ist, existiert nicht. So zumindest wird es heute unter dem Eindruck von Computer und Internet suggeriert. Doch die neueste Netzwerktechnik hat viele Vorgeschichten. In drei Jahrhundertschritten 1800 - 1900 - 2000 untersucht der Band 'Vernetzung' als Leitmetapher und zentrale Kulturtechnik der Moderne aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Neue Tendenzen in Diskursanalyse und Wissenspoetik legen es nahe, nicht-lineare, unsystematische Organisationsformen vernetzungslogisch und -ästhetisch zu denken. Von der Chaostheorie und der Molekularbiologie gehen ähnliche Impulse aus. Gedächtnistheorien und Assoziationsforschung bestärken die Vermutung, dass sich auch Einzelsubjekte und ganze Kulturen nach Modellen der Vernetzung organisieren. Die Telekommunikation steht im Zeichen der Abkopplung der Kommunikation von Zeit, Raum und leiblicher Präsenz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2004
Als Metapher ist das "Netzwerk", so Rezensent Steffen Siegel nach Lektüre dieses Bandes, ein aufschlussreiches kulturwissenschaftliches Beschreibungsinstrument, "womöglich sogar nützlicher als die materiellen Kommunikationsnetze". Die Analysen dieses Sammelbandes, berichtet Siegel, schlagen einen weiten Bogen, von Netzmodellen ökonomischer und fiskalischer Zirkulation aus dem späten achtzehnten, über die Entstehung neuer Kommunikationstechniken im neunzehnten Jahrhundert bis zur Netzkunst der Gegenwart. Dabei erweise sich die Rede von der Vernetzung am aufschlussreichsten dort, wo sie zunächst gar nicht zu erwarten sei - in der modernen Transplantationschirurgie etwa, die Irmela Marei Krüger-Fürhoff als Vernetzung zwischen Eigenem und Fremdem erkläre. Weitere Beiträge, erfährt man, befassen sich unter anderem mit Kreuzworträtseln als "Chiffren der Moderne" (Olaf Briese) und mit der Bricollagetechnik im Werk von .G. Sebald (Anne Fuchs).
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