Navid Kermani

Sommer 24

Roman
Cover: Sommer 24
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446285767
Gebunden, 160 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Das scheinbar Unversöhnliche versöhnen und das wirklich Unversöhnliche aushalten -  Wie ist es, wenn sich die vertraute Welt auflöst, wenn das, was gestern noch normal war, heute nicht mehr gilt? Navid Kermani fängt diesen Moment in einem einzigen Sommer ein: Ein Freund, der zuletzt politisch auf Abwege geraten war, hat sich das Leben genommen. Die Kriege rücken näher und die Debatten werden schriller. Seine Freundin hält den Erzähler für einen Macho, aber das bleibt bei weitem nicht der schlimmste Vorwurf, der sein Selbstbild erschüttert.  Navid Kermani gelingt es, unsere Gegenwart aus ihren Widersprüchen heraus zu begreifen, das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und, wichtiger noch, das wirklich Unversöhnliche auszuhalten. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.02.2026

Rezensent Hilmar Klute hätte wohl wenig Spaß als Figur in einem Roman von Navid Kermani, ständig wird man hier vom Erzähler belehrt, korrigiert, gewarnt und weg von den Abgründen, zurück auf die ungefährliche, die politisch-korrekte Bahn gelenkt. Noch weniger Spaß allerdings hat Klute als Leser desselben Romans. Kermani ist vieles: ein versierter und verantwortungsbewusster "Public Intellectual", ein Autor exzellent recherchierter Reportagen und ein begabter Essayist. Ein guter Romanautor ist er - bisher - nicht. Das Buch des ereignis- und folgenreichen Jahres 2024 soll "Sommer 24" sein, lesen wir. Klute sieht darin vor allem eine Anhäufung bedeutender politischer Ereignisse, lose verbunden durch das Alltagsleben des Autors und Erzählers Kermani, der zwei große Probleme hat. Erstens: er kann sich nicht entscheiden, was zu erzählen sich lohnt, überfrachtet seine Erzählung ergo mit Zeitgeschichte, unter deren Gewicht ihm dann zweitens, die Werkzeuge versagen. Die Sprache zum Beispiel: "Power-Point-Rhetorik" sagt Klute dazu. Auch das Figuren-Ensemble wirkt hastig zusammengeschustert und nach einem Spannungsbogen sucht man hier vergebens. Interessant wird der Text an der einen Stelle, an der sich einmal ein Abgrund auftun darf, den Erzähler-Kermani nicht direkt mit PC-Phrasen einzuhegen herbeieilt. Im Übrigen beschreibt der Rezensent seine Leseerfahrung mit den Adjektiven: "mühsam", "ärgerlich" und "furchtbar langatmig".

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