Sie haben Regime gestürzt, Grenzen geöffnet und Rechte erkämpft - Proteste haben in der Geschichte schon einige Steine ins Rollen gebracht.In der Gegenwart scheinen sie präsenter denn je, und es hat sich verändert, wer wofür oder wogegen und in welcher Form protestiert: von Frauen, die ihre Kopftücher verbrennen, über Bauern, die mit ihren Traktoren Straßen blockieren, oder Klimaaktivist:innen, die sich am Boden festkleben, bis hin zu Social-Media-Posts unter Hashtags wie GegenRechts, MeToo oder MutZurWahrheit. Der Protestforscher Tareq Sydiq beleuchtet in seinem Buch die neue Protestkultur anhand zahlreicher Beispiele.
Keine allzu tiefschürfende, aber doch eine lohnende Lektüre sieht Rezensentin Nina Apin in Tareq Sydiqs Buch über Protestbewegungen. Dabei interessiere den Politikwissenschaftler weniger die Neuheit junger Protestbewegungen, wie der Titel etwas "irreführend" nahelege, sondern eher die (Erfolgs-)Bedingungen für Proteste. Vieles davon hat Apin schon einmal gehört - wie etwa, dass in Demokratien nur friedliche Proteste funktionieren könnten. Spannender findet sie den vergleichenden Blick auf autoritäre Staaten wie Iran, wo auch verhältnismäßig friedlicher Protest gleich schon "lebensgefährlich" sei. Auch Sydiqs Analyse des Aufstiegs der Rechten in Deutschland als Beispiel dafür, dass auch Proteste mit nicht-demokratischen Zwecken ihm nach erlaubt sein müssen, findet die Kritikerin zwar lesenswert, hätte aber doch gerne gewusst, wo der Autor bei dieser These die Grenze ziehen würde. Schließlich greifen ihr auch die Ausführungen zu den gescheiterten Revolutionsversuchen in Sudan etwas zu kurz.
Demonstrationen müssen nicht immer das Zeichen eines Umschwungs in autokratischen Staaten sein, erklärt der Politologe Tareq Sydiq im Zeit-Online-Interview mit Xifan Yang. "Es gibt auch eine pessimistischere Lesart: Proteste können Symptome autokratischer Tendenzen sein, weil die prodemokratischen Kräfte institutionell an Einfluss verlieren und den Konflikt auf die Straße tragen." Unser Resümee
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