Gianfranco Calligarich

Wie ein wilder Gott

Roman
Cover: Wie ein wilder Gott
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2024
ISBN 9783552075108
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Krieger. "Ein gut siebzigjähriger Nichtstuer", der pensionierte Präsident der Geographischen Gesellschaft, schaut 1933 vom Fenster seiner Villa in Rom auf eine Gartenmauer. An ihr ziehen wie auf einer Leinwand die Bilder sowohl seines eigenen Lebens als auch die des berühmten italienischen Afrikaforschers Vittorio Bottego (1860 bis 1897) vorbei. Bottego hat auf mehreren gewagten Expeditionen das weitgehend unbekannte Abessinien und die Flüsse Juba und Omo entdeckt, auf denen Gold, Marmor und Elfenbein transportiert wurden. Sein Leitspruch war der aller Eroberer: "Zerstören oder zerstört werden."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2024

Potential hat das neue Buch Gianfranco Calligarichs schon, meint Rezensent Paul Jandl, nur genutzt wird es leider nicht. Im Zentrum steht Vittorio Bottego, der im 19. Jahrhundert als Afrikaforscher zwei Reisen in das Gebiet des heutigen Somalia unternahm, und schließlich, referiert Jandl, 1897 in Äthiopien ermordet wurde. Anhand dieser Geschichte möchte Calligarich sich dem Scheitern des italienischen Kolonialismus nähern, berichtet Jandl, Bottego, der vor allem von wissenschaftlichem Interesse getrieben wird, gerät zwischen die Fronten diverser Konflikte, ist sowohl den Befürwortern, als auch den Gegnern des Kolonialismus ein Dorn im Auge. Leider reicht die Einbildungskraft dieses Romans nicht allzu weit, ärgert sich Jandl, der es ziemlich dröge findet, wie Bottegos Abenteuer hier buchhalterisch rekapituliert werden. Erzählerisch und auch politisch bleibt das alles flach und uninteressant, findet der Rezensent, der sich einfach nicht begeistern will für die Figur, die Calliagrich hier entwirft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2024

Rezensentin Sigrid Löffler kann Gianfranco Calligarichs Roman über den italienischen Entdeckungsreisenden Vittorio Bottego auf der Grundlage von Bottegos Tagebüchern nicht besonders viel abgewinnen. Dieser macht sich auf den Weg in die damaligen italienischen Kolonien Somalia und Eritrea. Sein Antrieb sind Ruhm und Reichtum, allerdings nicht die Eroberung Äthiopiens und maximale Ausbeutung der entdeckten Gebiete, wie sie Italien vorschweben, resümiert Löffler. Bei seiner letzten Expedition erweist sich Bottego als grausamer Expeditionsleiter:  mehrere Träger sterben, Deserteure lässt Bottego erschießen. Letztendlich wird er im Kampf mit äthiopischen Truppen getötet. Leider handelt es sich laut Löffler um "keinen gelungenen Roman": Calligarichs Erzählweise sei "eigentümlich leblos" und biete wenig Abwechslung, bemängelt die Kritikerin. Auch weshalb sich der Autor für genau diese Figur interessiert hat - Kolonialismus-Kritik, Faszination für die Natur Afrikas? - erschließt sich Löffler nicht.

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