Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit und Patricia Klobusiczky. Als Mussolini 1935 in Äthiopien einfällt, trifft er auf einen unerwarteten Widerstand: Krankenpflegerinnen, Köchinnen, Dienstmägde. Bereit, sich mit ihren Brüdern und Vätern gegen die Faschisten zu behaupten. Die junge Hirut, eine Waise in den Diensten eines Offiziers von Kaiser Selassie, ist eine von ihnen. Als Selassie sich ins englische Exil flüchtet, droht Äthiopien mit seinem Anführer auch die Hoffnung zu verlieren. Und ausgerechnet Hirut findet einen Weg, das Land zu inspirieren. An der Seite des Schattenkönigs, einem armen Musikanten, der dem Kaiser zum Verwechseln ähnlich sieht, rettet sie ihre Heimat vor der Selbstaufgabe und wird kurz zur Herrin ihres Schicksals.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.10.2021
Rezensentin Sigrid Löffler schüttelt sachte das Haupt angesichts von Maaza Mengistes Roman über den Mythos des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Kurios realitätsfern nähert sich die Autorin laut Löffler dem Abessinien-Feldzug Mussolinis und dem legendären, von einem geisterhaften Kaiserphantom angeführten bewaffneten Widerstand äthiopischer Mägde und Krankenschwestern. Die "läppische" Handlung und der "Legendenton" scheinen Löffler ganz und gar nicht zu der historischen Katastrophe zu passen. Auf Mengistes "märchenhafte Kriegs-Rhapsodie" kann die Rezensentin scheinbar gut verzichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021
Rezensent Hubert Spiegel hat Respekt vor Maaza Mengistes Roman, der drastische Darstellung des Abessinienkriegs und mythisierende Beschreibung einer weiblichen Ermächtigung (der äthiopischen Amazonen im Kampf gegen Mussolini) in einem sein will und dabei für den Rezensenten neben der Fähigkeit der Autorin, einen detailreichen archaischen Handlungs- und Figurenreigen zu entwerfen, doch vor allem eines beweist: Dass auch Heldinnen nicht davor geschützt sind, in einer in pathetischer Sprache erzählten Geschichte aus Blut und Patriotismus aufzutreten.
Rezensentin Tanya Lieske hat beim Lesen von Maaza Mengistes "Der Schattenkönig" gemischte Gefühle. Die Autorin erzählt darin von den Kriegen zwischen Äthiopien und Italien anhand der jungen und verwaisten Protagonistin Hirut und verarbeitet auch die feministische Geschichte der Frauen, die in den Kämpfen dabei waren und deren Erlebnisse sie auch aus der eigenen Familiengeschichte kennt, erklärt Lieske. Die Erzählweise des Romans ist der Rezensentin zufolge zwar konventionell, doch die komplizierten Beziehungen, die ausgeprägte Bildlichkeit und der durchgängig hohe Ton der Autorin treiben die Handlung nach vorne. Am Ende legt Lieske den Roman trotzdem mit leichtem Unwohlsein beiseite, denn auch wenn Frauen im Krieg mitkämpften, gab und gibt es keine schönen Kriege, schließt sie.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…