Nanda van der Zee

Um schlimmeres zu verhindern ...

Die Ermordung der niederländischen Juden: Kollaboration und Widerstand
Cover: Um schlimmeres zu verhindern ...
Carl Hanser Verlag, München 1999
ISBN 9783446197640
gebunden, 344 Seiten, 23,01 EUR

Klappentext

Kaum ein anderes besetztes Land hat unter dem antisemitischen Terror der Deutschen so stark gelitten wie die Niederlande: drei Viertel der jüdischen Bevölkerung wurden deportiert und ermordet. Nanda van der Zee hat nun zum ersten Mal systematisch die Ermordung der niederländischen Juden untersucht. Ihr Buch löste einen Skandal aus, weil es am Tabu der Kollaboration rührt und schonungslos die verhängnisvollen Folgen von Königin Wilhelminas Flucht nach London aufzeigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000

Obwohl van der Zees Recherchen kaum wirklich neue Ergebnisse hervorgebracht hätten, begrüßt Horst Lademacher ausdrücklich das Erscheinen der deutschen Ausgabe dieses Buches, das 1997 in den Niederlanden bereits für große Aufregung in der Öffentlichkeit gesorgt hat. Es erscheint ihm wichtig, dass hier dezidiert gezeigt wird, wie sehr die politischen Eliten der Niederlande, der Oberste Gerichtshof, ja auch die Königin durch ihr oftmals passives Verhalten, der Judenvernichtung Vorschub geleistet haben. Dabei scheint Lademacher die Ansicht der Autorin zu teilen, dass bereits durch die restriktive Flüchtlingspolitik in den dreißiger Jahren wesentliche Weichen hinsichtlich der späteren Judenvernichtung gestellt worden sind. Lademacher deutet zwar an, dass die Autorin der Flucht der Königin möglicherweise ein zu große Bedeutung beimisst, für wichtig hält er jedoch ihre Untersuchungen über die Generalsekretäre, die nach der Flucht des Kabinetts bei der Umsetzung nationalsozialistischer Politik eine entscheidende Rolle gespielt haben. Dass der Autorin in ihrer ?einfach geschriebenen? Darstellung bisweilen Emotionalität und Empörung deutlich anzumerken sind, wertet der Rezensent nicht negativ.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999

Elke Schubert hält sich mit großen Worten zurück, vor allem mit überflüssigen. Als „präzise“ und „fundiert“ wertet sie Nanda van der Zees Untersuchung über die Kollaboration in den Niederlanden während der deutschen Besatzung. Denn laut Schubert haben es van der Zees Ergebnisse selbst in sich, hebt die Autorin doch an, mit dem Selbstbild der Niederländer aufzuräumen, die sich „als weltoffenes, tolerantes Volk begreifen“. Kurz und knapp rekapituliert Schubert van der Zees Darstellung, um dann mit ihr übereinzustimmen, dass „vereinzelte Widerstandsaktionen in keinem Verhältnis zum Mythos“ stehen, „nach dem die Niederländer massenhaft gegen die Besatzer aufbegehrt hätten“.