Monique Köpke

Nachtzug nach Paris

Ein jüdisches Mädchen überlebt Hitlers Frankreich
Cover: Nachtzug nach Paris
Altius Verlag, Erkelenz 2000
ISBN 9783932483103
Gebunden, 415 Seiten, 22,91 EUR

Klappentext

Reichstagsbrand Berlin 1933 ? die terroristische Ausschaltung der politischen Gegner der Nationalsozialisten beginnt. Erich Lehmann-Lukas, Kunsthistoriker, Kommunist, Jude, flieht nach Paris. Monique, seine siebenjährige Tochter, folgt ihm nach wenigen Wochen, die Ehefrau Raja im Herbst 1934. Die weitverzweigte jüdische Familie aus Berlin beginnt sich in alle Richtungen zu verlieren. Für Monique beginnt das Exil ihres Lebens. Als der Krieg Frankreich überfällt, werden die Eltern in französischen Internierungslagern inhaftiert. Monique, gerade in einer Ferienkolonie in der Bretagne, entgeht diesem Schicksal. Drei Jahre lang wechselt sie unter der Obhut des jüdischen Pfadfinderverbandes von einem Ort zum anderen. Vor dem Zugriff der Gestapo rettet sie 1942 die Flucht hinter den Schweizer Stacheldraht. Im August 1942 werden Erich und Raja Lehmann von Marschall Pétains Frankreich den Deutschen überstellt und mit dem ersten Transport nach Auschwitz gebracht. Sie kommen nie mehr zurück. Monique überlebt im Schweizer Exil.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2000

Eine etwas gequält wohlwollende Kurzkritik verfasst Hiltrud Häntzschel zu diesem Buch, das die traurigen Jugenderinnerungen eines jüdischen Mädchens schildert, das die Nöte der Pubertät in einer Zeit durchlitt, da die Juden von Hitlers Mördern verfolgt wurden und die Eltern des Mädchens um ihr eigenes Leben kämpfen mussten. Es scheint sich um ein Buch zu handeln, das diese Erinnerungen aus vielen Bruchstücken und Briefzitaten heraufzubeschwören scheint und das sein Unglück ungefiltert an den Leser weitergibt. "Es ist das gute Recht der Autorin", findet Häntzschel, "den Leser an dieser schmerzhaften Arbeit zu beteiligen." Keine Antwort erhält der Leser allerdings auf die Frage, ob er für diesen Schmerz etwa auch durch eine spannende oder belehrende Lektüre entschädigt wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2000

Die 75-jährige deutschfranzösische Autorin, die seit vielen Jahren in Amerika lebt, hat ein "rundum gelungenes" Buch und "fesselndes zeitgeschichtliches Dokument" vorgelegt, schreibt Florian Sendtner. Ihre Erinnerungen gehören zur Literatur des "Exils der kleinen Leute", in ihrem Fall einer großen jüdischen Familie aus Berlin, deren einer Zweig 1933 nach Paris flüchtete. Neben dem Spannungsmoment des Exils spiegelt das Leben ihrer Eltern noch einen weiteren zeittypischen Gegensatz, den der persönlich-philosophischen Selbstfindung zwischen Freud und Marx (der Vater bleibt bis zum Schluss gläubiger Parteigänger der Kommunisten). Bei der Rekonstruktion dieser intimen Geschichte waren die erhalten-gebliebenen Durchschläge der Briefe ihrer Mutter, aus denen die Autorin schöpft, von besonderer Bedeutung. Als die Wehrmacht Paris erreicht, wird die kleine Familie weiter auseinandergerissen, die Mutter in Gurs interniert, der Vater in Le Vernet. Sie selbst war zu der Zeit in der Bretagne in den Ferien, besucht später jedoch noch einmal die Mutter in Gurs und gibt, so hebt Sendtner hervor, hier einen "wichtigen Augenzeugenbericht" über das bisher wenig bekannte südfranzösische Lager. Beide Eltern werden am Ende vom Vichy-Regime ausgeliefert und nach Auschwitz deportiert, ihr selbst gelingt 1942 die Flucht in die Schweiz. Mithilfe ihres Mannes, eines "emeritierten Germanistikprofessors", hat Monique Köpke mit diesem Buch ihren Eltern "ein beeindruckendes Denkmal gesetzt", schreibt Florian Sendtner.
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