Am 3. Oktober 2017 kehrt die Berliner Staatsoper nach einer siebenjährigen Zwangspause wieder an ihren ureigenen Ort zurück - ein Ereignis von internationaler Bedeutung. Misha Aster, Autor Buchs "Das Reichsorchester", erzählt die Geschichte der Staatsoper Unter den Linden vom Kaiserreich bis in unsere Tage und lässt damit ein farbenreiches Bild des stürmischen 20. Jahrhunderts entstehen, in dem die Musik immer wieder vor den Karren der wechselnden politischen Systeme gespannt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2017
Friedrich Dieckmann liest Misha Asters Buch als Opernroman. Wie im Roman ist das meiste, was im Text vorkommt, laut Rezensent weder ganz falsch noch ganz richtig. Für Dieckmann liegt das daran, dass der Autor zwar seine Quellen gut recherchiert, aber nichts von alledem, was er über die Geschichte der Lindenoper im Wechsel der Zeiten und Regime zu erzählen hat, selbst gesehen oder gehört hat. Einen roten Faden kann Dieckmann im Buch auch nicht entdecken, Aster greife mal hier-, mal dorthin, mal ist es ergiebig, mal weniger, meint er. Dass Aster kaum Interesse an der Architektur des Hauses zeigt, kann der Rezensent ebenso wenig verstehen wie den Mangel an Aufklärung im Fall Kleiber, den das Buch offenbare. Dass Aster die zentrale Rolle des Hauses in der deutschen Operngeschichte zu würdigen weiß, gefällt Dieckmann hingegen gut.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2017
Rezensent Wolfgang Schreiber lauscht der Geschichte der Lindenoper. Wie der Historiker kanadische Misha Aster sie erzählt, leuchtet ihm die Doppelfunktion als Staatsoper während der NS-Zeit ein. Weil der Autor zur Ironie fähig ist, wird es in diesem Abschnitt nicht allzu trostlos, gibt Schreiber zu verstehen. Auch die Weimarer Zeit, die Zeit der SED-Herrschaft und die Wendezeit der Oper bringt der Autor dem Rezensenten nahe und erzählt schließlich bewundernd vom Engagement Barenboims. Wie Aster all das mit "emotionalem Elan" aus den Quellen berichtet, hält Schreiber für virtuose Geschichtsschreibung.
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