Juan Manuel de Prada

Junge Damen in Sepia

Erzählungen
Cover: Junge Damen in Sepia
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783608932294
Gebunden, 211 Seiten, 19,17 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Alexander Dobler. In der Diele, den ganzen Haushalt beherrschend, hängt das Porträt des Großvaters. Eine Aura umgibt ihn, eine Würde, die "man eher bei Mördern und Asketen" vermutet. Er ist der berühmt-berüchtigte Ahnherr, den der Enkel in wilden Tagträumen bei seinen Ausschweifungen und Verschwörungen begleitet. Bis er auf eine Randnotiz in einem Gedichtband stößt, die unvermutet eine andere Person zeigt. "Ich habe mich nach Liebe gesehnt und schon geglaubt, sie mit meinen Fingerspitzen zu berühren..." Der Junge sucht nach der Vergangenheit. Fotograf sei der Großvater gewesen, erfährt er, und eine Nachbarsfamilie hat sogar noch die Bilder, mit denen er handelte: pornographische Aufnahmen junger Mädchen in den verklemmten Posen der Jahrhundertwende, sepiagetönt wie aus einer anderen Zeit. Der Großvater, der einsame Voyeur, unfähig zur Liebe. Noch erschreckender aber ist, dass der Junge plötzlich erkennt, er ist dem Großvater tatsächlich verbunden - nicht im Abenteuer, sondern in seiner Einsamkeit. Sie sind vom gleichen Schlag.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2001

So recht erwärmen kann sich Evita Bauer nicht für diese Erzählungen, die in der Tradition der Décadence Baudelaires, Oscar Wildes und Lord Byrons stehen, wie sie erklärt. De Prada habe "sexuell wie literarisch" eine Vorliebe für die "Verworfenen und Unmoralischen", für lüsterne Frauen, die einen kindlichen Ich-Erzähler umkreisen. Vor allem missfällt Bauer des Autors Spiel mit "Elementen spanischer Barockdichtung", das sie weniger elegant als vielmehr manieriert empfindet. Auch mit der Übersetzung ist Bauer unzufrieden: Alexander Dobler gelingt es ihrer Ansicht nach nicht, der "zeitabgewandten Sprache" de Pradas gerecht zu werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.01.2001

Daniel Kehlmann kann den in diesem Band gebündelten Erzählungen von Juan Manuel de Prada, die sich an "dunklen" Themen abarbeiten, wenig abgewinnen, er findet sie schlichtweg vorhersehbar: "Mit bedrückender Regelmäßigkeit, präsentiert uns Prada das Naheliegendste als wäre es das Verblüffende". Ein offenes Ende seiner Geschichten wagt er zum Bedauern des Rezensenten nicht. Auch der schwülstige Stil, mit dem Prada die Geschichten erzähle, stößt ihm eher bitter auf. Er bezeichnet Pradas Erzählungen - voller "Erotik nahe der Gewalt" - als "Trivialliteratur für Intellektuelle" und bedauert, dass dieser "zweifellos begabte Schriftsteller" es nicht schafft, auf Pathos zu verzichten um so seine ansatzweise guten Ideen zu realisieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2001

Sehr ausführlich würdigt Hans-Jörg Neuschäfer in seiner Rezension Leben und Werk des erfolgreichen spanischen Jungautors Juan Manuel de Prada. Der Rezensent ist hell erfreut darüber, dass "Junge Damen in Sepia", 1995 im Original erschienen, nun im Deutschen vorliegt. Denn er hält de Prada für eine herausragende Größe unter den spanischen Schriftstellern. In sämtlichen Werken - und de Prada hat nach Auskunft des Rezensenten im Spanischen eine beachtliche Zahl von Romanen, Erzählungen und Kurzgeschichten verfasst - zeige der Autor meisterhaft, dass er bei aller Vorliebe für das Surreale und Extravagante nie den Boden unter den Füßen verliere. So auch in "Junge Damen in Sepia", einen Band mit Kurzgeschichten, den der Rezensent allerdings vor lauter Begeisterung für die übrigen Werke des Autors nur am Rande bespricht. Die Sammlung sei brillant wie alles andere des Schriftstellers, und einige der Geschichten verwiesen bereits deutlich auf den 1996 veröffentlichten Roman "Las máscaras del héroe", der, so hofft Neuschäfer, auch bald ins Deutsche übersetzt werden wird.
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