Michal Viewegh

Völkerball

Roman
Cover: Völkerball
Deuticke Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552060210
Gebunden, 240 Seiten, 18,40 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Eva Profousova. Eva und Jeff, das Traumpaar, der intellektuelle Lehrer Tom, Skippy, Frauenarzt und Klassenkasperl, und die unattraktive, aber sympathische Innenarchitektin Hujerova sind alte Freunde. Einst haben sie an einem Prager Gymnasium gemeinsam die Schulbank gedrückt, jetzt sind sie alle um die vierzig, doch sind sie auch weiter gekommen auf ihrer Suche nach dem Glück? In seinem neuen Roman inszeniert Michal Viewegh atemberaubende tragikomische Minidramen und erzählt die Geschichte einer Generation, die erkennt: Nicht das System schießt die Menschen aus dem Spiel und aus ihren Lebensträumen aus, sondern das tun sie selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2006

Ziemlich bissig kritisiert Stephan Maus vorliegenden Roman des tschechischen Schriftstellers Michal Viewegh. Dessen Porträt von einem Dutzend Schulkameraden über einige Jahre hinweg brandmarkt er als "schematischen Figurenreigen", der auf ihn wirkt wie ein "Schülerversuch im Rahmen des Leistungskurses Leben". Er hält dem Autor vor, seine schablonenhaften Figuren - von der humorlosen Hübschen über den schönen Athleten und von der lustigen Hässlichen bis zum verklemmten Schwulen bleibt kein Stereotyp ausgespart - völlig aus gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen zu lösen. Besonders bedauert Maus dabei, dass die Tschechoslowakei in diesem tschechischen, in weiten Teilen in der Tschechoslowakei der siebziger Jahre spielenden Roman eigentlich gar nicht vorkommt und der Roman auch in Jacksonville, Ohio, spielen könnte. Immerhin bescheinigt er dem Autor eine "lockere Schreibe", spricht ihm zugleich aber jeden "Stil" ab. Das Fazit des Rezensenten: ein "kurioses Gebräu aus Short Cuts und College-Comedy".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2005

Barbara Villiger Heilig scheint sich durchaus auf den Roman des Tschechen Viewegh, der in seiner Heimat als "Kultautor" gilt und schon mit vielen Großen der Literatur verglichen wurde, eingelassen zu haben, doch überzeugen konnte der Autor sie nicht. Der Roman setze sich nicht mit der politischen Gegenwart oder Vergangenheit auseinander, sondern erzähle schlicht die Geschichte einer Gymnasialklasse - ein Genre, dem man tendenziell positiv gegenübersteht, wenn man mit dem Kleinen Nick aufgewachsen sei, meint die Rezensentin. Auch gegen die Short Cut-Narration, in der verschiedene Erzählstränge in Episoden erzählt und miteinander verwoben werden, hat sie nichts einzuwenden. Doch sei der Roman schlicht ein "Leichtgewicht". Die Wahrheiten, die erzählt werden, seien häufig so "alltäglich, allgemein und banal", dass man gut auf sie hätte verzichten können, und auch die Ironie des Tonfalls wirke häufig unangemessen. Es gebe einfach Dinge im Leben, auch im Leben der Figuren, die zu ernst oder zu schmerzhaft seien, als dass man sie ungestraft im Plauderton erzählen könnte - wird Schmerz "heiter-flapsig" erzählt, kommt er beim Leser eben nicht mehr als solcher an.
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