Aus dem Tschechischen von Raija Hauck. Prag nach Ende des Zweiten Weltkriegs - Siegesfreude und Aufbruch. Als Auschwitz-Überlebender kehrt der siebzehnjährige Petr in seine Heimatstadt Prag zurück. Doch scheint die Gesellschaft zwischen Zukunftsoptimismus und verordneter Vergangenheitsverdrängung keinen Platz für ihn und jüdische Schicksale zu haben. Gegen äußere Widerstände und das eigene Trauma beginnt Petr den Weg zurück ins Leben. Er begegnet dabei Ilse, einer jungen Prager Jüdin, und verliebt sich. Die tschechoslowakischen Behörden stufen Ilse jedoch als Deutsche ein - sie wird ausgewiesen. Für Petr beginnt daraufhin eine Odyssee durch das Nachkriegseuropa nach Palästina, wo Ilse auf ihn wartet.
Rezensent Maximilian Mengeringhaus wittert Kitschgefahr bei Eli Benes' Debütroman über den 18-jährigen Petr, der Auschwitz und Theresienstadt überlebt hat und jetzt zurück in Prag vor dem liebgewonnenen Radio auf Lebenszeichen seiner Familie wartet. Mengeringhaus merkt dem Buch an, dass der Autor viel Recherchearbeit geleistet hat, aber er will auch zu viel: Die Judenräte während der Besatzung kommen ebenso vor wie Pogrome, Vergewaltigungen durch Soldaten der Roten Armee und die Vertreibung der Deutschen nach dem Ende des Kriegs. Diese "Polyphonie der Quellen" macht es schwierig für den Kritiker, das eigentliche erzählerische Anliegen Benes' zu identifizieren, so ist es eine "Coming-of-Age-Geschichte vor historischer Kulisse", die ihn zu sehr an Young Adult-Bücher erinnert, um wirklich überzeugen zu können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2025
Eine starke Geschichte über das Leben nach der Shoah hält Rezensent Jörg Plath mit Eli Beneš Roman in Händen. Hauptfigur ist Petr, ein Achtzehnjähriger, der die Lager überlebt hat und nach der Befreiung in seine Heimatstadt Prag zurückkehrt, wo er sich zunächst fremd fühlt und nur von wenigen Menschen Hilfe erhält. Petr lernt später unter anderem Izák kennen, einen jüdischen Widerstandskämpfer, der ihm hilft, auf die Beine zu kommen, auch verliebt er sich in eine junge Frau, Ilse. Am Ende dieses anschaulich und wirklichkeitsnah geschriebenen Buches über die Einsamkeit eines Überlebenden - Erinnerungen an die Zeit im Konzentrationslager dringen immer wieder, kursiv gesetzt, in den Text ein - steht die Emigration nach Palästina. Insgesamt liest der Rezensent einen starken historischen Roman, der Parallelen zu H.G. Adlers "Die unsichtbare Wand" aufweist.
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