Jaroslav Rudis

Die Stille in Prag

Roman
Cover: Die Stille in Prag
Luchterhand Literaturverlag, München 2012
ISBN 9783630873800
Gebunden, 240 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Eva Profousová. Jeder Aufbruch hat einmal ein Ende. Die Revolution, die Anfang der neunziger Jahre das Leben in Prag zu einer einzigen großen Party machte, ist längst vorbei. Jetzt ist Spätsommer, das Licht ist bereits schwach und träge geworden. Doch bevor sich der Sommer endgültig dem Ende zuneigt, wird für fünf Menschen nichts mehr so sein, wie es vorher war... Fünf Menschen zwischen Straßenbahnlärm und dem Techno des Herzens, zwischen Lichteffekten und Rockmusik - und ein Konzert der Stille, das alles verändert. Petr, von seiner großen Liebe verlassen, arbeitet nach einem abgebrochenen Studium als Aushilfe bei der Straßenbahn. Auf einer seiner Fahrten trifft er die junge Punkerin Vanda, die sich fest vorgenommen hat, mit 18 das Koksen sein zu lassen. Ein Monat ist es bis dahin noch. Der angesehene Anwalt Wayne hat es dagegen geschafft, sein Leben auf Erfolgskurs zu bringen. Doch dann meint er, in den Nachrichten seinen im Irak stationierten Bruder blutüberströmt auf einer Trage zu erkennen und wird völlig aus der Bahn geworfen. Er weiß noch nicht, dass Hana, die im Flieger nach Prag sitzt, nicht bereit ist, ihn aufzufangen. Und dann ist da noch der alte Vladimir, der seine Frau verloren hat und sie nicht gehen lassen kann. Den Auslöser für das ganze Übel auf der Welt sieht er im Lärm. Den Rest seines Lebens verschreibt er dem Kampf für die Stille...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2012

In Matthias Schnitzlers Augen konnte die tschechische Literatur einen wie Jaroslav Rudis gut gebrauchen. Als Drehbuchautor und Comiczeichner hat Rudis bereits markante Pflöcke ins tschechische Kulturleben geschlagen, und auch den Roman "Die Stille in Prag" kann der Rezensent sehr empfehlen. Prag-Touristen werden mit ihm allerdings weniger auf ihre Kosten kommen, baut Schnitzler etwaigen Erwartungen vor, Rudis erzählt von fünf Menschen, die orientierungslos durch die Stadt treiben. Würden sie dies nicht vornehmlich in der Tram Nummer 22 tun, könnte man sagen, sie seien aus der Bahn geraten. Petr, der Fahrer der Linie, die 18-jährige Punksängerin Vera, der Amerikaner Wayne, die Kulturmanagerin Hana und der Sonderling Vladimir. Mit erkennbarer Begeisterung erzählt Schnitzler von all diesen Figuren, die neu anfangen müssen, und er schwärmt von dem Witz, der Wärme und Magie, mit denen Rudis sie ausgestattet hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2012

Jaroslav Rudis hat in seinem Großstadtroman "Die Stille in Prag" eine Vielzahl von Prager Lebensläufen beschrieben und sie wie in einem "Episodenfilm" an einem Tag in Prag meisterhaft zusammengeführt, berichtet Rezensent Dirk Schümer. Und so lernt der Kritiker hier nicht nur den Straßenbahner und romantischen Verlierer Petr kennen, der eine Affäre mit der zerbrechlichen und koksenden Punkband-Gitarristin Vanda beginnt, sondern auch den durchschnittlich begabten Anwalt Wayne, der von seiner erfolgreichen Freundin Hana betrogen und verlassen wird. Und schließlich Vladimir, einen pensionierten Perkussionisten aus dem staatlichen Symphonieorchester, der mit eigenwilligen Methoden, etwa dem Zerstören von Ipods, gegen Lärm und laute Musik kämpft. Fasziniert liest Schümer, wie Rudis aus den musikalischen Vorlieben Psychogramme seiner Protagonisten entwirft und damit ihre grundlegenden und generationsabhängigen Unterschiede offenbart. Darüber hinaus genießt der Rezensent die eindrücklichen und melancholischen Bilder eines "behäbig und westlich" gewordenen Prags und lobt den Autor schließlich als einen der "Interessantesten seiner Breiten".
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