Michail Gorbatschow

Über mein Land

Rußlands Weg ins 21. Jahrhundert
Cover: Über mein Land
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406461651
gebunden, 260 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Dieses Buch erzählt die Geschichte des sowjetischen Experiments aus der Sicht seines letzten Dieners. Auf die eigene Erfahrung zurückgreifend und mit scharfem Blick für die politischen Konstellationen der Vergangenheit betrachtet Michail Gorbatschow die Oktoberrevolution, Aufstieg und Fall der Sowjetunion sowie die Perspektiven Rußlands im 21. Jahrhundert. Eindrucksvoll charakterisiert er Schlüsselfiguren wie Lenin, Stalin und Jelzin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2000

Reinhard Veser findet das Buch "seltsam und widersprüchlich". Zwar übe Gorbatschow deutliche Kritik an der Politik der KPdSU und benenne die Verbrechen der Partei, gleichzeitig zeigten seine Ausführungen immer wieder, wie sehr er "dem alten Denken verhaftet" geblieben ist. Es will Veser nicht in den Kopf, wie man einerseits ohne Beschönigung über die Opfer der sowjetischen Herrschaft sprechen und wenige Seiten später die Oktoberrevolution und die Errungenschaften des Sozialismus loben kann. Besonders im zweiten Teil des Buchs, der vom Zerfall der Sowjetunion handelt, fällt ihm Gorbatschows Betriebsblindheit auf: Gorbatschow werfe den Führern der Teilrepubliken vor, nur an ihrem persönlichen Machterhalt interessiert gewesen zu sein. Aber warum, fragt Veser, hätten sie dem Führer einer Partei trauen sollen, die für so viele Verbrechen verantwortlich war - "nur weil er die Rhetorik geändert hat"?
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.06.2000

Ziemlich ironisch kommentiert Frank Nienhuysen, Gorbatschow gäbe denen, die immer noch nicht von seiner Größe überzeugt seien, mit diesem Buch "noch einmal eine Chance". Seine Darstellung der Geschichte "seines Landes" ist heftig verzerrt durch die "Lobpreisung" seiner eigenen Amtszeit, "die Ära der Perestroika". Mit eigenen Verdiensten geht er "großzügig" um, kaschiert seine Verantwortung für blutige Auseinandersetzungen in Georgien und Litauen und "denunziert mit grober Rhetorik" die Zeit nach ihm. Eine gewisse Verbitterung über den eigenen Prestigeverlust hat ihm wohl die Feder geführt, meint der Rezensent. Einzig die Nacherzählung über den Zusammenbruch der Sowjetunion, d.h. die Auflösung des Unionsvertrags, das Gezerre zwischen ihm und Jelzin darüber, dessen Konsequenzen der frühere Staatspräsident als sein "größtes Unglück" bezeichnet, ist spannend zu lesen, findet Nienhuysen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2000

Rechte Begeisterung mag bei Christoph Güdel in seiner Rezension nicht aufkommen. Er scheint ein wenig müde zu sein, sich nun aufs Neue mit Gorbatschows Kritik an Jelzin und der Auflösung der Sowjetunion zu befassen, zumal er Gorbatschows Überzeugung, die Sowjetunion sei durchaus zu retten gewesen, nicht so recht teilen kann. Suspekt erscheint Güdel die Verteidigung der Oktoberrevolution und Lenins Herrschaft, die ihm von Gorbatschow "quasi reingewaschen" von Gewalt und Unterdrückung erscheint. Dass Gorbatschow die Gründung einer neuen Union (bestehend aus Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan) für möglich hält, ist für Güdel ein Zeichen von Uneinsichtigkeit, da seiner Ansicht nach die Legitimationsbasis - nicht zuletzt bei den beteiligten Völkern - nicht gegeben ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.05.2000

Klaus Bednarz macht aus seiner Enttäuschung über dieses Buch keinen Hehl. Er geht sogar so weit, dass er die Vermutung äußert, Gorbatschow habe möglicherweise die "Realität in Russland aus den Augen verloren", zumindest da, wo der Autor die Zukunft Russlands in einer Union mit Weißrussland, der Ukraine und Kasachstan sieht. Auch sonst kann Bednarz dem Buch nur wenig abgewinnen. Er vermisst Visionen, neue Erkenntnisse. Stattdessen scheine es dem Autor vor allem darum zu gehen, dass auch nachfolgende Generationen seine Verdienste anerkennen. Diese Verdienste will Bednarz keineswegs leugnen. Ihn stört jedoch die "Selbstgerechtigkeit und Blindheit eigenen Fehlern und Irrtümern gegenüber" und nennt als Beispiel dafür Gorbatschows Verhalten gegenüber den nach Unabhängigkeit strebenden baltischen Staaten. Dies mache den Leser "nur noch ratlos", resümiert Bednarz.