Michael Schroeder (Hg.)

Der goldene Apfel

Die Erzählungen des klassischen Altertums
Cover: Der goldene Apfel
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783458174059
Gebunden, 675 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Die Sagen des klassischen Altertums kennt man durch die Nacherzählungen Gustav Schwabs. Doch die Erzählkunst der Antike reicht weit darüber hinaus, und ihre schönsten Stücke gewähren, wie sie hier umfassend zu einem Kanon zusammengetragen sind, einen lebendigen Blick auf über 1000 Jahre Alltags- und Geistesleben. Die Erzählungen und Novellen der Antike wurden über viele Jahrhunderte hinweg gelesen und haben auf spätere Erzähler, etwa Boccaccio, nachhaltig gewirkt. Der Gegenwart ist die Kenntnis der griechischen und römischen Novellistik jedoch nahezu verlorengegangen: Eingebettet in die großen Werke und Romane griechischer und römischer Autoren, werden sie nicht als eigenständiger und traditionsbildender, vor allem aber überaus farbiger und amüsanter Strang der europäischen Geistesgeschichte wahrgenommen.
Im "Goldenen Apfel" werden Abenteuer, Liebesaffären und Räuberpistolen erzählt; man findet witzige Geschichten aus dem antiken Alltag und Begebenheiten, die zum Nachdenken anregen. Nicht nur die Novellen, die in Apuleius' Metamorphosen, besser bekannt unter dem Titel "Der goldene Esel", eingestreut sind, oder die Urformen der Geschichten vom großen Glück des Krösus und dem Ring des Polykrates sind hier nachzulesen, sondern man erfährt auch von der unsterblichen Liebe der Pantheia zu Abradatas, dem Liebestod eines Delphins und den Nöten eines Liebhabers im Fass. Zu Wort kommen Homer, Herodot, Äsop, Dion Chrysostomos, Platon, Livius, Plinius und Plutarch, Lukian und Phlegon, Aulus Gellius, Aelian, Philostratos, Heliodor, Aristainetos, die Evangelisten Lukas und Thomas - und viele andere bekannte oder in Vergessenheit geratene Autoren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.01.2009

Den ein oder anderen Schatz hat Rezensent Tobias Schwartz hier heben können. Dass Anthologien niemals vollständig sind, ist Schwartz klar, und so hält er sich damit nicht auf. Lieber freut er sich über die "bunte Mischung" aus Abenteuer-, Spuk- und Liebesgeschichten, aus Komischem und Geistreichen aus über tausend Jahren, die der Altertumswissenschaftler Michael Schroeder in diesem "hübschen" Band versammelt hat. Bei der Lektüre der klassischen, doch nicht immer allseits bekannten Texte sowie der Erläuterungen des Herausgebers lernt Schwartz vor allem eines: Geschichten zu erzählen und Geschichte zu überliefern, sind zwei Seiten ein und derselben Münze. Wenn Schroeder Herodot neben den Fabeldichter Äsop stellt und Bibeltexte als Literatur begreift, findet der Rezensent das entsprechend konsequent.
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