Michael Pauen, Harald Welzer

Autonomie

Eine Verteidigung
Cover: Autonomie
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015
ISBN 9783100022509
Gebunden, 336 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Autonomie gilt als zentrale menschliche Eigenschaft. Doch sie gerät von vielen Seiten unter Beschuss: Die Neurowissenschaft erklärt, der Wille sei nicht frei, die Sozialpsychologie zeigt in ihren Experimenten ebenso wie Shitstorms im Internet, wie mächtig der Anpassungsdruck ist. Die Auswirkungen sind beträchtlich, wenn unsere Autonomie in Gefahr ist. Harald Welzer und Michael Pauen analysieren die Situation auf Grundlage eigener Experimente und Forschungen, um Möglichkeiten der Gegenwehr sichtbar zu machen: Wie können Gemeinschaften so gestaltet werden, dass Konformitätszwänge gering bleiben? Gleichzeitig zeigen sie, dass es wirksame Gegenstrategien nur auf der sozialen Ebene geben kann - solange wichtige Freiheitsspielräume noch bestehen. Die Zeit drängt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2015

Der Sache nach möchte Andrea Roedig das thesenreiche Buch von Michael Pauen und Harald Welzer gerne unterstützen. Keine Frage, meint sie, das Informationszeitalter hat seine Tücken, was die Einschränkung persönlicher Freiheiten angeht, und Konformität droht überall. Auch den historischen Überblick über das Konzept der Autonomie als einer zivilisatorischen Errungenschaft, den die Autoren offerieren, findet Roedig hilfreich, die Argumentationskette scheint ihr zunächst nachvollziehbar. Doch wenn die Autoren dazu ausholen, Autonomie und Demokratie von der Privatheit abhängig zu machen und Google und Co. als Bringer eines informationellen Totalitarismus anzuprangern, den sie mit dem Nationalsozialismus vergleichen, geht es Roedig doch zu allzu dramatisch und technikpessimistisch zu.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2015

Rezensent Jörg Baberowski möchte fast alles, was die beiden Autoren in ihrem Buch feststellen, unterschreiben. Wenn der Philosoph Michael Pauen und der Sozialpsychologe Harald Welzer Autonomie zur zivilisatorischen Errungenschaft erklären, die es gegen staatlich verordnete oder von Google und Facebook eingeforderte Anpassung und Überwachung zu verteidigen gilt, versteht der Rezensent, den Unterschied zwischen autonomer und erzwungener Konformität. Dass wir uns gegen letztere wehren müssen, begreift er auch, allerdings kommen ihm die positiven Seiten sozialer Netzwerke im Buch zu kurz. Schließlich können sie auch dem Protest dienen, meint er.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2015

Ein Klassiker wird dieses Buch nicht werden, meint Rezensentin Eva Weber-Guskar. Dafür ist es ihr zu oberflächlich und "alarmistisch". Die Hauptthese der Autoren, wonach die digitalen Techniken uns in unserer Autonomie begrenzen und so unsere Demokratie gefährden, erscheint ihr aber bedenkenswert. Wie aber genau gefährdet das Internet unsere Autonomie? Laut Welzer und Pauen neigen wir im Netz noch mehr als ohnehin dazu, uns der Mehrheit anzupassen, selbst wenn wir ihre Meinung falsch finden. Dazu komme, dass die großen Technologiefirmen wie Google, aber auch der Staat uns permanent überwachen. Ohne Privatheit könne es aber keine eigene Meinung geben und damit auch keine Autonomie, fasst die Rezensentin zusammen. Darüber sollte man diskutieren, findet sie.