Klappentext

Hinunter ins Loch, durch Matsch und Dreck, fährt Gemeindsverwalter Griese mit seinem Landrover. Die Repetierwaffe auf dem Rücksitz, erfüllt er widerwillig den Auftrag der kantonalen Sozialhilfebehörde, einen Bauern in die Stadt zu bringen. Dessen Frau ist verschwunden, in der Stadt will man der Angelegenheit auf den Grund gehen. Polizei, Nachforschungen, Drohungen - alles nimmt seinen Lauf. Die Figuren zeigen einen knorrigen, verstockten Menschenschlag. Die Welt in "Simeliberg" ist gezeichnet von Gegensätzen: da die scheinbare Normalität der Oberwelt, dort die dunklen Machenschaften im sumpfigen Loch. Droben die Menschen Weiss und Wyss, drunten der Bauer Schwarz. Dazwischen der Grenzgänger Griese, der je länger, desto stärker zwischen alle Fronten und in die Mühlen der Behörden gerät.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2015

Gleich der ganzen Schweiz wünscht Philipp Theisohn die Beschäftigung mit Michael Fehrs neuem Buch. An der Mustergültigkeit der Erzählstruktur oder von Verständlichkeit kanns nicht liegen, denn der Autor serviert bloß Halbzeiler und verzichtet auf Zeichensetzung gleich ganz: "Es gibt in dieser Welt keine stabile Kommunikation, nur aufleuchtende und verglimmende Worte." Der protokollarische Duktus des Ganzen aber und das Mundartliche machen die Erzählung für Theisohn zum Fest. Nicht nur ein komplettes Milieu mit Kaffatmo, Dorfjugend und Ordnungshütern stellt der Autor vor den Rezensenten hin. Was Fehrs anstelle von herkömmlich so genannter Handlung serviert, Bewegung nämlich, Konturenspiel, farblos dazu und instabil, scheint dem Rezensenten allemal von starkem, auch kritischem Realitätsbezug und große Erzählkunst obendrein.
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