Was die Liebe dringend nötig hat, ist eine andere, unverbrauchte Sprache der Erotik, der Intimität und Zärtlichkeit, die dem Gefühl der Liebenden, das doch allem Körperlichen vorausgeht, und dem Glück gegenseitiger Erfüllung wieder zum Wort verhilft. Eine solche Sprache ist nicht exaltiert. Sie ist einfach, und wenn sie sich vorsätzlich kitschig gibt, dann lacht sie. Wissende Liebende begnügen sich mit wenigen Bildern und Worten, die sie mit neuer Bedeutung "aufladen". Liebe spricht in Bildern und Metaphern, deutet an, spart aus: Und wenn die Zeit in den Liebenden stillsteht, schwätzt sie nicht, sondern schweigt. Ernst Halters "Liebes-Roman" ist eine Absage an die Dezidiertheit und Eindeutigkeit der sogenannten "Ehrlichkeit" und "Offenheit", die nur noch das Körperliche zu benennen weiß (oder wagt).
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2018
Dass es so etwas wie "Alterskühnheit" gibt, lernt Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger mit diesem Roman des 80-jährigen Autos Ernst Halter. Stark findet sie, dass er es in Zeiten kurzer Affären geschafft hat, das totgesagte Genre des "veritablen Liebesromans" wiederzubeleben. Sie lobt das Pathos des Buchs, das für sie nicht ins Kitschige abdriftet - im Gegenteil erscheint ihr Halters Stil regelrecht "erhaben". Der Roman erzählt von der "Amour fou" eines Verheirateten und seiner Geliebten, so Eichmann-Leutenegger: Zusammen erleben sie "Himmel und Hölle", denn die Gewissensbisse des Protagonisten gegenüber seiner Ehefrau überschatten den Taumel ebenso wie ein Autounfall, der ihn später ereilt. Die Rezensentin ist außerordentlich beeindruckt von diesem "Posaunenstoß" von einem Roman, mit dem sich Ernst Halter ihr wieder in Erinnerung ruft.
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