Melisa Erkurt ist als Kind mit ihren Eltern aus Bosnien nach Österreich gekommen. Sie hat studiert. Sie arbeitet als Lehrerin und Journalistin. Sie hat es geschafft. Doch sie ist eine Ausnahme. Denn am Ende eines Schuljahres entlässt sie die Klasse mit dem Wissen, dass die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler nie ausreichend gut Deutsch sprechen werden, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen. Hier wächst eine Generation ohne Sprache und Selbstwert heran, der keiner zuhört, weil sie sich nicht artikulieren kann. Über den "Kulturkampf" im Klassenzimmer befinden einstweilen andere. Melisa Erkurt leiht ihre Stimme den Verlierern des Bildungssystems. Nicht sie müssen sich ändern, sondern das System Schule muss neue Wege gehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2021
Rezensentin Marija Barišić trifft sich mit der Autorin Melisa Erkurt, die mit ihrem Buch "Generation Haram" recht ordentlich die österreichische Bildungspolitik aufgemischt hat, wie sich Barišić freut. Erkurt, die als Kleinkind mit ihrer Mutter aus Bosnien nach Wien kam, schildert darin ihre eigenen Erlebnisse als ausländisches Kind in einer Vorortklasse, aber auch ihre Erfahrungen als Lehrerin an Wiener Brennpunktschulen. Für Rezensentin Barišić wird deutlich, wieviel Scham, Angst und Verlorenheit Kinder in der Schule spüren, wenn ihr Deutsch nicht gut genug ist, wenn sie Dinge nicht kennen und zu Hause keine schulische Hilfe bekommen können. Erkits Forderung nach mehr SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und LehrerInnen mit Migrationshintergrund kann die Rezensentin nur unterstützen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2020
Rezensent Uwe Ebbinghaus lobt Melisa Erkurts Buch für seinen Erfahrungsschatz aus dem schulischen Umgang mit Migrantenkindern und der Lebensgeschichte der Autorin, die als Kind selbst aus Sarajevo nach Österreich kam. Dass die "scharfe" Argumentation im Buch im Dienst einer Parteinahme für benachteiligte Kinder von Migranten steht, findet Ebbinghaus besonders. Formen der Diskriminierung und des Missverständnisses der Probleme junger Migranten werden für Ebbinghaus in den erzählten "Hintergrundgeschichten" sichtbar, ebenso Gründe, warum muslimische Kinder auf die alten Rollenbilder zurückgreifen, auf Sexismus und patriarchale Strukturen. Die von Erkurt beschriebenen Gegenmaßnahmen findet Ebbinghaus bedenkenswert. Dass die Autorin immer wieder von einem "antimuslimischem Rassismus" spricht, findet er hingegen eher kontraproduktiv.
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