Hartmut von Hentig

Bewährung

Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein
Cover: Bewährung
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207769
Gebunden, 107 Seiten, 12,50 EUR

Klappentext

Die Entschulung der Mittelstufe und ein einjähriger Dienst für die Gemeinschaft. Ein pädagogisches Manifest im Jahre 2005.
Viele Jugendliche haben mit der Gesellschaft gebrochen. Hartmut von Hentigs Manifest macht Vorschläge, wie diese soziale Erosion zu stoppen sei. Er bezweifelt, ob die Schule in der Mittelstufe überhaupt der geeignete Ort für Bildung und Erziehung ist. Die Schulzeit soll in dieser Phase unterbrochen werden, damit die Jugendlichen andere, praktische Erfahrungen sammeln können - in erster Linie die, gebraucht zu werden und sich zu bewähren. Überhaupt sollte der Schule ein soziales Jahr für alle folgen. Die Jugendunruhen in Frankreich haben gezeigt, was passieren kann, wenn sich eine ganze Generation überflüssig fühlt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Reinhard Kahl betrachtet Hartmut von Hentigs Manifest "Bewährung" als das "pädagogische Testament" des großen Pädagogen. Er würdigt die kritische Sicht des Pädagogen auf die Schule, die ihr erstes Ziel, Kindern Lust aufs Erwachsenwerden zu machen, meist verfehle. Demgegenüber unterstreicht er die Bedeutung von Hentigs Hauptanliegen, die Stärkung des Gemeinsinns bei Kindern und Jugendlichen sowie die Vermittlung der Erfahrung, "nützlich zu sein". Die Vorschläge, die Hentig hierzu vorlegt, Entschulung der Mittelstufe und ein einjähriger Dienst für die Gemeinschaft, scheinen Kahl recht bedenkenswert. Dabei hebt er besonders hervor, dass Hentig konkrete Vorschläge für die Praxis macht und Schritte weist, wie Städte und Regionen sein Konzept erproben können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2006

Provozierend, aber gar nicht so schlecht findet Tanjev Schultz Hartmut von Hentigs "gedankenreichen" Vorschlag zu einer "Entschulung" des Lernens durch frühes Engagement in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen. Befürchtungen, allzu sehr zu provozieren allerdings, will Schultz dem Autor gerne nehmen. Hentig stehe ja doch in der Tradition experimenteller Pädagogik eines John Dewey. Und den Intellekt will Hentig ja sicher auch nicht vom Sockel stoßen. Nein, Schultz hegt andere Zweifel: Wird es genügend fähige Pädagogen geben, das Projekt umzusetzen? Oder werden sich nur "Sonderlinge" dazu melden? Zudem findet Schultz die Schule als Teilzeitbeschäftigung gar nicht so schlimm, wer will, könne ja auch zu den Pfadfindern gehen. Das ist die milde Kritik. Richtig unwirsch wird Schultz bei Hentigs Vorschlag eines verpflichtenden sozialen Jahrs nach Beendigung der Schule: Soziales sollte doch immer freiwillig sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2006

Merkwürdig ist das. Erst lobt Eberhard Rathgeb den großen Pädagogen Hartmut von Hentig über den grünen Klee, dann macht er auf dem Fuße kehrt und erklärt das vorgestellte Modell zur Gemeinschaftsstiftung unter deutscher Jugend für fragwürdig und klagt über die Unschärfe seiner Begriffe. Mit sichtlicher Achtung vor Hentig erklärt der Rezensent dessen Ansinnen, Jugendliche zu humanitären Lerngemeinschaften außerhalb der Schule zusammenzubringen und sie gleich zu einem ganzen Dienstjahr nach Abschluss der Schulzeit zu verpflichten, und lobt anschließend Hentigs Pragmatismus, gleich eine Liste mit möglichen Einsatzorten mitzuliefern. Dann aber befallen Rathgeb Zweifel, ob nicht Hentig, geblendet von der "goldenen Polis", Gemeinschaft und Gesellschaft durcheinander bringt und die Sogwirkung einer ökonomisch stromlinienförmigen Gesellschaft nicht allen schönen Gemeinschaftssinn alt aussehen lässt. Zivildienstleistende, meint Rathgeb, die später Jura studieren, um nur mehr zu funktionieren, gebe es schließlich genug.
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