Den Dandy, das wird hier deutlich, gab es schon immer. Dass er kein originäres Produkt des 19. Jahrhunderts ist, wie landläufig angenommen wird, vermag Melanie Grundmann mit dieser Anthologie überzeugend darzulegen. Erstmalig werden die verschiedenen Spielformen des Dandys, wie sie von der Antike bis ins 19. Jahrhundert auftraten, aneinandergereiht und so die Genese dieses Sozialtypus übersichtlich nachgezeichnet. Aus der Blütezeit des Dandysmus, in der die Zeitgenossen nach den Wurzeln dieses seltsamen Gewächses forschten, sammelte die Autorin Zeitdokumente, die hier größtenteils erstmals in deutscher Übersetzung erscheinen. Sie bieten eine erfrischende Abwechslung zu den bekannten Texten der Dandyforschung, da sie sich mit den Ursprüngen des Phänomens vor Barbey d'Aurevilly, Charles Baudelaire und Oscar Wilde beschäftigen. Man erfährt, dass der Dandy eben nicht nur ein bewegter Kleiderständer und auch keinesfalls ein naserümpfender Snob ist, sondern ein elitäres Wesen, das sich durch die intensive Ausgestaltung der eigenen Individualität von der grauen Masse absetzen und der profanen Wirklichkeit entfliehen will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007
Felix Johannes Krömer begrüßt Melanie Grundmanns Anthologie mit weitgehend unbekannten Texten über die Spielarten des Dandytum. Er schätzt das Werk als willkommene Ergänzung der bekannten Literatur über den Dandy. Neben prominenten Autoren wie Fürst Pückler und Alfred de Musset findet er hier auch zahlreiche anonyme Texte deutscher, französischer, britischer und amerikanischer Herkunft. Die quellenkritische Erschließung der Texte fällt zu seinem Bedauern allerdings mager aus. Zudem ist er mit ihrer Kommentierung nicht immer einverstanden. Er vermisst vor allem eine sozial-historische Differenzierung von Dandy-spezifischen Eigenschaften und solchen, die den gehobenen Lebenstil allgemein auszeichneten. Dennoch scheint ihm die Sammlung eine echte "Fundgrube" für die Annäherung an den echten Dandy zu sein. Lobend hebt er in diesem Zusammenhang besonders Jules Lemaitres Beitrag "Die Snobs" von 1899 hervor.
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