Melanie Arns

Heul doch!

Roman
Cover: Heul doch!
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2004
ISBN 9783902144799
Gebunden, 106 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Heul doch! - aber das ist leichter gesagt als getan. Und überhaupt, wer sagt denn, dass das hilft? Wer sagt denn, dass da hinterher irgendwas besser ist? Heul doch - bei der Familie? Der Mutter, der Großmutter? Dem Vater? Wie die schon miteinander umgehn, fast so schlimm wie mit mir. Nein, so auch wieder nicht, mit mir war's schlimmer. Heul doch: damit die sehn, wie's mir geht? Wen interessiert denn das? Wen geht das überhaupt etwas an? Mein Bruder ist tot, das könnte die zum Beispiel etwas angehn. Wollen sie aber nicht wissen, ist wie in der Schule. Obwohl, da ist wenigstens mein Türke.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2005

Rezensent Sebastian Handke ist beeindruckt von diesem Romandebüt von Melanie Arns, deren Art zu Schreiben vor zwei Jahren in Klagenfurt von einem missgünstigen Juror als "Görenprosa" abgetan wurde. Dieser Sicht der Dinge widerspricht Handke vehement. Auf ihn macht die Geschichte, die eine gnadenlose Abrechnung mit den Untiefen der Kleinfamilie ist, einen "dichten Gesamteindruck". An manchen Stellen registriert er zwar "Kalauer und Negativitätskitsch", die allerdings seinen positiven Gesamteindruck nicht wirklich stören. Handke ist gespannt auf Arns nächstes Buch, ob die Autorin "der Versuchung" wird widerstehen können, "es sich in der Haltung des Weltverneinens bequem zu machen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.02.2005

In diesem Teenagerdrama wird nichts ausgespart: Der Bruder der Erzählerin ist als Kind erstickt, die Eltern sind Alkoholiker, sie selbst hat bei einem Autounfall ein Auge verloren, der Vater vergewaltigt sie, sie hat Aids. Da fallen Autoaggression und Todessehnsucht schon fast nicht mehr ins Gewicht. Diese "Zumutungen" für den Leser werden aber durch den ein paar Seiten später folgenden Satz "Wer mir glaubt, ist selber schuld. Ich bin nicht krank, ich werde nicht sterben, ich habe kein Aids" wieder relativiert, stellt Rezensentin Susanne Messmer fest. Und eben deswegen sei Melanie Arns Romandebüt kein klassisches Problembuch. Sondern eine mitreißende Geschichte über den Orientierungsverlust in der Pubertät, Großmäuligkeit, ein überzogenes Selbstbewusstsein, das ständig in Minderwertigkeitskomplexe kippt. Und man weiß, dass alles zugleich nicht ganz ernst zu nehmen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2004

Es ist schon ein paar Jahre her, erinnert sich Heribert Kuhn, dass das Thema Missbrauch in aller Munde war und auch der "Missbrauch des Missbrauchs" beklagt wurde. Kuhn ist von Melanie Arns' Romandebüt sehr angetan, weil sie die Geschichte einer vom Vater missbrauchten Tochter mit "aggressivem Witz" erzählt, ohne jede Larmoyanz oder psychologische Deutelei. Arns lässt ihren Figuren gar keinen Raum für Reflexion oder innere Gespräche, analysiert Kuhn, sie verharre mit harten Schnitten stets an der Oberfläche und entwickele dabei eine so brutale Komik, dass sich Kuhn allgemein mehr an Film als an Literatur erinnert fühlt. Besonders der spezifische Humor des Stummfilms kommt ihm dabei in den Sinn, in dem die Helden wie Stehaufmännchen eine Karambolage nach der anderen überleben, und so verhalte es sich auch mit Arns' Protagonistin, für die es irgendwann keinen Unterschied mehr mache, ob sie unter den Vater oder ein Auto geraten sei. Dieser Bezug zur eigenen Person oder zum eigenen Körper sei zunächst verstörend, bekennt Kuhn, doch seiner Meinung nach begegnet die Protagonistin ihrem Trauma, völlig zum Objekt zu werden, mit genau jener "Slapstick-Resistenz und -Renitenz", die den Helden des frühen Films zu eigen war.
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