Patricia Josefine Marchart

Jemand

Roman
Cover: Jemand
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2005
ISBN 9783902144898
Gebunden, 166 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Plötzlich war alles anders geworden, und sie fand nicht mehr in ihr Leben zurück, nicht einmal in ihre Wohnung; ratlos stand sie vor der Tür - dann warf sie den Schlüssel durch den Zeitungsschlitz, drehte sich um und ging. Begonnen hatte der Tag unauffällig: Sie war ins Städtische Parkbad gegangen, um zu massieren, Glieder und Leben einzurenken. Heilen wollte sie, lösen, mit äußerster Vorsicht ging sie ans Werk - doch plötzlich starb der Mann unter ihren Händen: "Er hat mich in den Tod mitgerissen und auf der Welt zurückgelassen." Sie müsste sich neu erfinden, das wäre die Rettung, zuvor aber müßte sie sich auslöschen, endgültig. "Jemand" ist der Roman einer äußeren und inneren Reise. Er erzählt von einer jungen Frau, die sich allein auf einen Weg macht, dessen Ziel sie nicht kennt, nur wünschen (oder träumen) kann. Im italienischen Süden, am Meer, kommt sie ihm schon näher, doch ein Mal muss sie noch zurück, bevor sie - mit aller Entschiedenheit und Kraft - endgültig neu beginnt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2006

Anton Thuswaldner entdeckt im zweiten Roman von Patricia Josefine Marchart "etwas Wildes, Unbändiges", ja, etwas "Rohes Ungeschlachtes", was das Buch zunächst einmal von denen gleichaltriger Autoren absetzt, die sich einem ruhigeren, "sanfteren" Ton und Sujet verschrieben haben. Hier geht eine Schriftstellerin "aufs Ganze" und wendet sich damit vom gängigen "Kleinmut in der Literatur" ab, so der Rezensent zunächst anerkennend. Trotzdem ist er sich nicht sicher, ob Marchart mit dieser Haltung bereits ein "wichtiges Buch gelungen" ist. "Jemand" handelt von einer Masseurin, die durch den überraschenden Tod eines Kunden einen massiven Ich-Verlust erleidet und aus ihrem bisherigen Leben ausbricht, fasst Thuswaldner zusammen. Die österreichische Autorin zeigt ihre Protagonistin auf der Suche nach dem wirklichen, unverfälschten Leben, wobei sie sie ganz als Gefühlsmenschen inszeniert, so der Rezensent weiter. Damit stelle Marchart einen "Gegenentwurf" zur "hochartifiziellen Literatur" von Autoren wie Thomas Meinecke oder Norbert Niemann auf, die dem "authentischen Leben" grundsätzlich entsagt haben, stellt Thuswaldner fest. Am Ende zeigt sich der Rezensent unzufrieden, denn er meint, "ohne Reflexion", nur auf Gefühle zurückgeworfen, das werde bei diesem Roman deutlich, bleibt "Literatur" eben "doch nur eine halbe Sache".
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