Größenwahn und Selbstüberschätzung sind Teil der menschlichen Natur. Doch erst heute werden sie als Erfolgsfaktoren kultiviert. Die Folgen sind krankhaft wuchernde Wirtschaftsaktivitäten, entfesselte Finanzmärkte, dysfunktionale Bildungs- und Infrastrukturen, aus dem Ruder laufende Großprojekte, unkontrollierbare Datenmengen und globales Allmachtstreben. Meinhard Miegel, einer der profiliertesten Vordenker Deutschlands, sieht in dieser allgegenwärtigen Hybris die wesentliche Ursache für die tiefgreifende Krise von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Meinhard Miegel ist ein Wachstumskritiker aus der bürgerlich-konservativen Ecke, in der er sich auch ganz bewusst positioniert, weiß Elisabeth von Thadden, die darin Stärke und Schwäche von Miegels Büchern zugleich sieht. In seinem neuen Buch "Die überforderte Gesellschaft" seziert Miegel zum Beispiel fein säuberlich diverse "Baustellen menschlicher Selbstüberhebung", den Verkehr, das Bildungssystem und andere "moderne Turmbauten zu Babel", berichtet von Thadden. Er tut das unaufgeregt und ohne jeden Moralismus, eher mit einem müden Unverständnis angesichts der Unvernunft, erklärt die Rezensentin. Auf der anderen Seite sieht Miegel aber nicht, wie in etwas grüneren und progressiveren Kreisen an alternativen Modellen getüftelt wird, und erklärt die Gesellschaft deshalb etwas zu voreilig für ausgebrannt, bedauert von Thadden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2014
Gegen die Krise hilft dieses Buch besser als jedes Sparpaket, meint Rezensent Nils Minkmar, denn Meinhard Miegel kann ihm plausibel veranschaulichen, dass wir es nicht mit einer kurzen Schwächephase zu tun haben, sondern dass wir alle die totale, aber völlig logische Erschöpfung erreicht haben. Wie hätte es auch gut gehen soll? Seit den achtziger Jahren, resümiert Minkmar seine Lektüre, leisten wir mehr, das Bruttosozialprodukt steigt unaufhörlich, aber zufriedener hat es die Menschen nicht gemacht. Im Gegenteil. Statt mehr Lebensfreude, Sicherheit und Selbstbestimmung haben die Leute mehr Gadgets bekommen. Nach Informationen des Rezensenten sieht Miegel die Ursachen nicht allein in der Ökonomie, in der Auflösung traditioneller Bindungen und Milieus. Solange die Unzufriedenheit mit der Moderne so kapitalismuskritisch daherkommt, lässt Minkmar sie sich gern gefallen.
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