Max Annas

Morduntersuchungskommission

Roman
Cover: Morduntersuchungskommission
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498001032
Gebunden, 352 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

An einer Bahnstrecke nahe Jena wird 1983 eine entstellte Leiche gefunden. Wie ist der junge Mosambikaner zu Tode gekommen? Oberleutnant Otto Castorp von der Morduntersuchungskommission Gera sucht Zeugen und stößt auf Schweigen. Doch Indizien weisen auf ein rassistisches Verbrechen. Als sich dies nicht länger übersehen lässt, werden die Ermittlungen auf Weisung von oben eingestellt. Denn so ein Mord ist in der DDR nicht vorstellbar. Also ermittelt Otto Castorp auf eigene Faust weiter. Und wird dabei beobachtet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.08.2019

Rezensent Tobias Gohlis staunt über die große Nüchternheit, mit der Max Annas seinen 1983 spielenden DDR-Krimi aufzieht. Kein Schaudern, kein Rätsel, stattdessen darf der Leser routinierter Ermittlungsarbeit und grauem DDR-Alltag beiwohnen, meint er. Als ein Mosambikaner bei Jena ermordet wird und der Fall unter den Teppich gekehrt werden soll, kommt die Stunde von Oberstleutnant Otto Castorp, der sich in den Fall verbeißt. Weil weder der Ermittler noch seine Kollegen zur Identifikation einladen, wie Gohlis feststellt, bleibt dem Rezensenten Raum, sich mit der im Text aufgehobenen Wahrheit auseinanderzusetzen: dass es seit den achtziger Jahren in beiden Teilen Deutschlands mordende Nazis gab.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.08.2019

Rezensent Ulrich Noller wartet nach diesem ersten Fall für den MUK-Ermittler Otto Castorp gespannt auf den nächsten. Die an einem realen ungeklärten Mord von 1983 inspirierte Geschichte handelt von der brutalen Ermordung eines Schwarzen und zeigt dem Kritiker zufolge, dass auch in der DDR ein Fremdenhass-Problem existierte, vielleicht sogar Neonazis. Da das nicht zum offiziellen Bild passt, das die DDR von sich zeichnet, wird die Ermittlung eingestellt und Selbstmord angenommen, aber Castorp bleibt trotzdem dran, erzählt der begeisterte Kritiker. Er lobt den Krimi als nüchtern, dafür aber umso spannender, und verspricht ein grandioses, unerwartetes Finale, von dem er aber nicht zu viel verraten will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.08.2019

Gebannt hat Rezensent Frank Junghänel diesen Roman des Krimiautors Max Annas gelesen, der auf einem wahren Fall beruht: Erzählt wird die Geschichte des Mosambikaners Antonio Manuel Diogo, der 1981 als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen, zwei Jahre später an der Bahnstrecke zwischen Jena und Saalfeld brutal ermordet aufgefunden wird. "Braunkohle" nennt einer der ermittelnden Polizisten das Opfer - ein im Osten nicht unübliches Schimpfwort für Menschen mit dunkler Hautfarbe, wie Junghänel aufklärt. Wie Annas das Polizistenmilieu beschreibt, genau beobachtend, geradezu "identifikatorisch", findet der Rezensent bemerkenswert. Ein gelungener Noir, der auch das Zeug zum Gesellschaftsroman gehabt hätte: Allein die Gesellschaft fehlt, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2019

Hannes Hintermeier weiß, dass Max Annas in seinem neuen Krimi auf einen echten Fall rekurriert, die Ermordung des DDR-Vertragsarbeiters Manuel Diogo durch Neonazis im Zug von Berlin nach Dessau im Jahr 1986. Der Rezensent bemerkt auch, dass Annas mit diesem Stoff nicht nur seinem Thema, der Ausländerfeindlichkeit, treu bleibt, sondern angesichts der Lage im Osten nachgerade punktlandet. Mit Sympathie verfolgt Hintermeier daher die Untersuchung des Oberleutnant Otto Castorp, der für die Morduntersuchungskommission (MUK) so lange ermitteln darf, bis ihm der Fall vom MfS entzogen wird. Auch dass Annas zurückhaltend erzählt, ohne im Zeitkolorit der untergehenden DDR zu baden, weiß Hintermeier ebenfalls zu schätzen.
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