Matthias Politycki

Das Schweigen am andern Ende des Rüssels

Cover: Das Schweigen am andern Ende des Rüssels
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783455058901
Gebunden, 222 Seiten, 17,84 EUR

Klappentext

Matthias Politycki erzählt von fernen Ländern, von unvertrauten Orten, die mal Mongolei, mal Uganda, mal Statesboro, mal World's End heißen, oder von heimatlichen Regionen, die wir zu kennen glauben. Seine Figuren suchen das große Erstaunen, jenseits aller touristischen Trampelpfade, und werden mit kleinen oder großen Schrecknissen konfrontiert. Sie erleben, wie ein Thunfisch zu Tode gebracht wird, wie sich Callgirls und Literaturwissenschaftler auf wundersame Weise in Sofia begegnen oder wie das Tanken irgendwo in Amerika zur existenziellen Katastrophe wird. Der Band versammelt siebzehn Geschichten, die miteinander verwoben sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2002

Beatrix Langner vermutet hinter der gelungenen Totalverweigerung von Pathos und Tiefsinn eine große enttäuschte Liebe Matthias Polityckis. Und so sucht Langner dann auch nach der "zarten Seele". Sie findet inmitten der leicht und lebendig geschriebenen Reiseerzählungen, trotz der selbstironischen Distanz des Reisenden zu den mit Sprachwitz erzählten Lebensbeobachtungen, das die Einheit der 17 Geschichten garantierende Subjekt: den "postmodernen Sentimentalisten" mit seiner "raubeinigen, männlichen Traurigkeit". Die Rezensentin beschreibt Polityckis Reise als fortlaufende Wiederkehr von bereits Erlebtem und Gesehenem. Langner fühlt sich durch die Geschichten und ihre teils poetischen teils klamaukhaft-spöttischen Sprachgesten angesprochen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.12.2001

Kristina Maidt-Zinke hat einen Band mit Reise-Erzählungen gelesen, über den sie lobend schreibt, dass der Autor gekonnt Erlebnisse in "fernen und fernsten Weltgegenden" miteinander verbindet. Wie das geht? Autor Matthias Politycki entwirft eine "Weltzeitgeschichte", die aus "parallel geschalteten Augenblicken" besteht, schreibt die Rezensentin. Erlebnisse auf einem Flug von Baku nach Irkutsk spielen sich gleichzeitig ab mit der Kollision eines Kanus auf dem Nil mit einer Wasserleiche. Wem dieser Trick, mit dem die einzelnen Geschichten in einen Zyklus gepresst werden, missfällt, der "hüpft" am besten einfach darüber hinweg, so Maidt-Zinke, und freut sich "banausenhaft" an den Leiden des Reisenden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001

Für Thomas Kraft wird nicht recht ersichtlich, warum Matthias Politycki seine Reisetexte aus mehr als 15 Jahren in diesem Sammelband vereint hat. Einigen merke man an, dass sie ursprünglich Radiofeatures gewesen sind, bemängelt der Rezensent, der sich über "Wiederholungen und Paraphrasen, die für einen Hörer notwendig sein mögen", ärgert. Findet er manchmal den "Drang zur Pointe" des Autors durchaus fruchtbar und genießt er das Ansteigen der Spannung - in anderen Texten führt diese Methode für den Rezensenten eher zu Langeweile und "Klischee". Und so bleiben für Kraft am Ende nur 4 von den insgesamt 17 Texten übrig, die ihm wirklich gefallen haben. Das sind meist Geschichten, die sich um den Tod ranken; hier gelingt seiner Ansicht nach dem Autor das "Kunststück", das Geschehen in einen winzigen "Moment der Stille" münden zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Ein "wunderbares Buch" ist das, findet Friedhelm Rathjen. In Polityckis Geschichten gehe es um das Reisen und trotzdem: "die Welt bleibt fremd und auf Distanz, und das soll sie auch". Der Autor vermittelt nach Rathjens Meinung, dass letztendlich nichts, nicht einmal "die Wiederholung des Altbekannten" beschreibbar ist und auch, dass "Geschehen und das Nichtgeschehen" simultan stattfinden. Diese Vermittlung gelingt Politycki sehr gut, findet Rathjen. Die "eigentliche Leistung ist die Langweile, zu der sich das alles summiert", und nicht die viele hübschen und schrägen Anekdoten, die in dem Buch stecken. Die sind zwar unterhaltsam, aber die Essenz des Buches liegt nach Ansicht des Rezensenten auf einer grundsätzlicheren Ebene.
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