Die Kunsthistorik betreibt wie kein anderer Wissenschaftszweig die Analyse von Inhalt und Formen der Bilder. Erstmals hat der Kunsthistoriker Martin Kemp die Initiative ergriffen und sich in die Welt der Naturwissenschaften eingemischt. Von Leonardos Zeichnungen bis zu physikalischen Modellen des Atomzeitalters: Kemp beobachtet in einer seit 1998 in der Zeitschrift "Nature" erscheinenden Essayfolge, wie die Naturwissenschaft von der Verbildlichung ihrer Forschung abhängig ist und dass das mit neutralen Formen überzeugend wirkende Modell ebenso wie die unüberbietbar sachlich erscheinende Grafik kritisch zu analysieren sind. Die chronologisch geordneten Artikel sind ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Macht der Bilder. Gleichzeitig bieten Sie Kunstinteressierten neue Einblicke in naturwissenschaftliche Phänomene.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2003
Ebenso gelehrt wie kurzweilig findet Rezensent Uwe Justus Wenzel diese zweiundsiebzig "Wissenschaft-und-Kunst-Stücke" des Oxforder Kunsthistorikers und Gründers des dortigen "Centre for Visual Studies" Martin Kemp. Dem Lob folgt jedoch die dezente Rüge, dass das "als Augenweide" gestaltete Buch in einen unübersehbaren Trend zum Spektakulären passe. Strafmildernd räumt Wenzel aber ein, dass es sich dennoch der augenblicklich grassierenden Idolatrie (sprich Bilderverehrung) verweigere, die derzeit Bilder der Wissenschaft wie Designartikel konsumiere. Dann steht dem Lob nichts mehr im Wege: In seinem Buch suche Kremp nach "gemeinsamen Motiven in den imaginativen Welten der Künstler und der Wissenschafter, nach tiefer liegenden Strukturen der Wahrnehmung". Beide bauen Kremp zufolge in ihrem Erkenntnisprozess auf strukturelle Intuitionen, erfahren wir. Zum künstlerischen Personal, an dem Kemp seine Theorie durchspielt, gehören, wie wir lesen, unter anderen Leonardo und Dürer, Vesalius und Brunelleschi, Piero und Galilei, Merian und Stubb, Turner und Boccioni, Max Ernst und Max Bill, Albers und Turrell. Insgesamt lässt die Auseinandersetzung des Rezensenten mit dem Buch auf eine ausgesprochen anregende Lektüre schließen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2003
Rezensentin Julia Voss zeigt sich im großen und ganzen zufrieden mit Martin Kemps Band "Bilderwissen", einer Sammlung von Artikeln, die der Oxforder Kunsthistoriker zum Thema Kunst und Wissenschaft seit 1997 in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht hat. Ein wenig missfällt ihr, dass die Artikelsammlung im Format eines Coffee-Table-Books erscheint - eine verlegerische Entscheidung, wie sie vermutet, denn der "gängige Kitsch" liege Kemp fern. Wie Voss ausführt, stellt Kemp in den knapp achtzig Aufsätzen die Wissenschaft vom Kopf auf die Füße, indem er Skizzen, gebastelte Modelle oder Illustrationen zum Zentrum seiner Analyse macht und somit die Anschaulichkeit naturwissenschaftlicher Phänomene in den Vordergrund rückt. Verblüffend findet Voss etwa, wie sehr Molekularmodelle dem ähneln, was an abstrakter Skulptur auf der Kunstbiennale in Venedig ausgestellt wurde. Dadurch dass Kemp beides zusammenführe, zeige er, dass "Stil dabei kein Ausnahmezustand der Kunst ist, sondern ebenso eine Kategorie des wissenschaftliches Denkens". Zu Beobachtungen solcher Art hätte sich Voss bisweilen nähere Ausführungen gewünscht. Die "oft unbefriedigende Kürze der Einzelbeiträge" werden nach Ansicht von Voss allerdings durch die Fülle der Beispiele wieder aufgewogen.
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