Thomas P. Weber

Darwin und die Anstifter

Die neuen Biowissenschaften
Cover: Darwin und die Anstifter
DuMont Verlag, Köln 2000
ISBN 9783770152254
Gebunden, 270 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Kaum eine wissenschaftliche Lehre hat das Selbstverständnis des Menschen in einem Ausmaß erschüttert wie Charles Darwins Theorie von den Ursachen der biologischen Vielfalt. "Darwin und die Anstifter" beschreibt, wie der Begründer der Evolutionslehre die Geschichte des Lebens entzauberte und gegen welche Widerstände sich sein Weltbild behaupten musste.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2001

Matthias Glaubrecht preist dieses Buch, das sich mit der Geschichte der Darwinschen Evolutionstheorie befasst, als einen "Gewinn" für die interessierten Leser, obwohl sich darin weder eine neue Interpretation des Darwinismus verbirgt, noch ein "Abriss der "neuen Biowissenschaften" geboten wird, wie es der Verlag behauptet. Dennoch sei es eine "informative und lesenswerte" Darstellung eines Teils der Naturwissenschaftsgeschichte, wobei der Rezensent angetan auf die gelungene Vermittlung von Natur- und Geisteswissenschaften Webers aufmerksam macht und die "kenntnisreiche" Schilderung des zeitgeistlichen und kulturellen Hintergrunds der Evolutionstheorie Darwins lobt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Darwinismus und kein Ende: Helmut Mayer sind ein neuedierter Originaltext vom Meister selbst und drei Neuerscheinungen Anlass zu einem gut verständlichen Streifzug durch der Thesenurwald der “Selektion” und ihrer Auswüchse.
1) Thomas P. Weber: `Darwin und die Anstifter`
Mayer bescheinigt dem Biologen und Wissenschaftshistoriker Weber eine “durchaus erhellende” Traditionslinie ausgemacht zu haben, wenn er die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen “Strukturalisten” und “Adaptionisten” auf Debatten vor Darwin bezieht, die diesen prägten. Strukturalisten, das sind heute die, die auf stabile (genetische) Grundstrukturen setzen, Adaptionisten dagegen betonen die Anpassungsleistung des (menschlichen) Organismus. Mayer freut sich, dass Weber die “evolutionäre Psychologie” als Erbe der Soziobiologie “kritischen Abwägungen” unterzieht. Das Gehirn als Computer aus Verhaltensmodulen - und damit die Übertragung des Selektionsmechanismus auf (kulturelle) Verhaltensweisen - hält er für Mumpitz.
2) Blackmore: `Die Macht der Meme`
Dementsprechend hält er auch nichts von Blackmores “nüchtern-naiver Theorie” der “Meme” als Basiseinheit der kulturellen Evolution qua Selektion und Pendant der “Gene”. Richard Dawkins (“Das egoistische Gen”) hatte eher assoziativ den Begriff geprägt. Die Pointe ist für Mayer, dass damit das Prinzip der Selektion zwar universalisiert wird, der “genetische Determinismus” aber aufgehoben. Und direkt lustig findet er, dass Blackmore über die Hintertür die Erlösung reinlässt: Der Mensch könne sich nämlich von der Memen-Abhängigkeit befreien. Ob Blackmore sagt, wie, verrät Mayer nicht.
3) H. und St. Rose: `Alas, Poor Darwin` und `Darwin: Ausdruck der Gemütsbewegungen`
Klar, dass Mayer das Erscheinen des Bandes “Arguments against Evolutionary Psychology” begrüßt (nur auf Englisch, 17.99 engl. Pfund). Dort werden die “Schwächen des Ansatzes unbarmherzig … durchdekliniert” und Mayer schickt bissig hinterher, dass jüngst aus der EvoPsycho-Ecke die “Vergewaltigung … zur Sicherung der Reproduktion von benachteiligten Männern” bezeichnet wurde. Eine Möglichkeit der Kritik bietet für ihn (wie für Thomas P. Weber) aber auch Darwin selbst. Für den war das Prinzip der Selektion “nicht der einzige Weg der Veränderung”. Und über die “Gemütsbewegungen” hat er nur spekuliert - wissentlich.
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