Aus dem Spanischen von Bruno Keller. In einer neuen Bearbeitung von Carsten Regling. Mit einem Nachwort von Ricardo Piglia. Remo Erdosain schlafwandelt durch die Tage. Der gescheiterte Erfinder steht, wie so vieles in diesem Roman von 1929, am Rande des Abgrunds: Er hat Geld unterschlagen, das Gefängnis wartet, in Wahnvorstellungen sieht er eine Giftwolke über der Stadt.
Erdosain treibt durch Massen und Gassen von Buenos Aires, durch Bordelle und Kaffeehäuser, trifft auf Schäbige und Verrückte - bis er einer Gruppe sendungsbewusster Verschwörer in die Hände fällt: ein melancholischer Zuhälter, ein apokalyptischer Apotheker, eine Prostituierte, ein Goldgräber. Unter der Leitung des "Astrologen" planen die Irren nicht weniger als die Revolution. Doch für den großen Umsturz braucht es zuerst einen kleinen Mord.
"Die sieben Irren" ist ein moderner Klassiker der lateinamerikanischen Literatur, der in eine Reihe mit den monumentalen Großstadtromanen von Dos Passos und Döblin gehört. In Arlts armen Teufeln, revolutionären Träumern und größenwahnsinnigen Sozialingenieuren treten die politischen Verwerfungen der zwanziger und dreißiger Jahre prägnant hervor - auch die jenseits von Argentinien: Die Farce kommt vor der Tragödie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2019
Rezensentin Katharina Teutsch freut sich über die Wiederentdeckung von Robert Arlts Ideenroman aus dem Jahre 1929. Sie lässt sich hier von dem in Buenos Aires geborenen Autor, Polizeireporter und Erfinder des Nylonstrumpfs ins Argentinien der Zwanziger nehmen, begegnet Links- und Rechtsextremisten, die über Anarchismus und Diktatur debattieren, außerdem Parawissenschaftlern und Agenten der argentinischen Halbwelt. Wie Arlt seine Geschichte um den Versicherungsangestellten Remo, der sich einer Gruppe Umstürzler anschließt und einen Mord begeht, mit zeitgenössischen Diskursen, etwa zu Nietzsche, Freud und Spiritismus verquickt, hat die Kritikerin beeindruckt. Vor allem aber lässt sie sich von Arlts grandiosen Porträts von heiligen Huren, süchtigen Apothekern oder gierigen Goldsuchern in den Bann dieser wahnsinnigen Gesellschaft "auf der Suche nach neuen Kausalitäten" ziehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2018
Roman Bucheli liest Roberto Arlts zweiten Roman als genaue Anatomie des Wahns, der Lüge und der Vermischung sämtlicher Kategorien vor Anbruch des Zweiten Weltkriegs. Grausam, boshaft, wahrhaftig, wie der Autor seine zwischen Schein und Sein und jenseits aller Sittlichkeit taumelnden Figuren, Kriminelle, Scharlatane, Bordellbetreiber, Mörder, inszeniert, findet Bucheli, der beim Lesen vor lauter Anschaulichkeit selbst ein bisschen die Orientierung verliert. Die expressive Wucht von Arlts Roman von 1929 scheint ihm noch radikaler als diejenige von Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz". Das meisterliche Menetekel lässt sich laut Bucheli auch gut als Kommentar zur Gegenwart lesen.
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