Aus dem argentinischen Spanisch von Sabine Giersberg. Ein Schuhkarton mit Theaterprogrammen führt einen jungen Studenten auf die Spur einer faszinierenden Familiengeschichte aus Buenos Aires, der Welt des jiddischen Theaters und des argentinischen Tangos. Wie kreuzen sich im 20. Jahrhundert die verschiedenen Lebenswege in Europa und Argentinien? Bei seiner Spurensuche stößt der Erzähler auf das jiddische Theaterstück 'Der moldawische Zuhälter', das in Buenos Aires 1927 uraufgeführt wurde. Es handelt von wahren Begebenheiten: von russischen Mädchen, die in Argentinien ihr Glück suchten und in den Händen des Verbrecherrings 'Zwi Migdal' landeten. Der Bandeonspieler Samuel Warschauer liebte eins dieser Mädchen, doch er war mit einer anderen Frau zusammen. Während die Fäden der anrührenden Familiengeschichte immer enger zusammenlaufen, verliebt sich Samuels Sohn Maxi in Paris, ohne zu wissen, daß er die Geschichte seines Vaters wiederholt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2007
Edgardo Cozarinskys Roman über die jüdische Emigration und das jüdische Leben in Buenos Aires hat Rezensentin Margrit Klingler-Clavijo überaus beeindruckt. Dem Autor gelingt es in ihren Augen, die verschlungene Geschichte der jüdischen Emigranten in Argentinien anrührend zu entfalten. Cozarinsky erzähle von changierenden Existenzen, vom Wechsel der Länder und Lieben, von einer in Argentinien vom Aussterben bedrohten jiddischen Sprache und Kultur, hochfliegenden Träumen und unerfüllten Sehnsüchten. Klingler-Clavijo lobt den präzisen Blick des Autors, seine sorgsame Erzählweise und die gekonnnte Komposition des Buchs. Zudem bescheinigt sie ihm, sich dem Verdrängen und Vergessen zu verweigern, und, vom Tango inspiriert, auch die düsteren Seiten der Emigration zu schildern.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 31.05.2007
Rezensent Robert Schopflocher ist sehr begeistert von Edgardo Cozarinskys Roman, der einen in der Theatergeschichte recherchierenden Journalisten schöne und traurige Geschichten aus dem jüdischen Leben im Buenos Aires der 30er Jahre entdecken lässt. Bis auf den Titel der deutschen Ausgabe lässt sich der Rezensent von unsentimental und dennoch einfühlsam geschilderten Erzählungen aus einer untergegangenen Welt in den Bann ziehen und zeigt sich ergriffen von den geradezu filmisch festgehaltenen Szenen der einst in Argentinien blühenden jüdischen Kultur, die heute allerdings nicht mehr vorhanden ist, wie er melancholisch bemerkt.
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