Aus dem Englischen von Nikolaus de Palézieux. Mit diesem engagierten Beitrag liefert Martha Nussbaum, eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart, einen aktuellen philosophischen Ansatz in der wichtigen Debatte um Religionsfreiheit und Toleranz. Sie fordert auf, die Angst vor dem Fremden fallenzulassen und durch Respekt, Verständnis und Phantasie zu einer gleichberechtigten Zukunft zu gelangen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 27.11.2014
Gesetze sind dann gerecht, wenn sie für alle gelten - mit diesem Irrtum räumt Martha Nussbaum in ihrer Studie über "Die neue religiöse Intoleranz" zur Freude der Rezensentin Hilal Sezgin gründlich auf. Natürlich, ein Burka-Verbot gilt für alle, aber betroffen sind davon ausschließlich Muslime - wo also bleibt die Gerechtigkeit, fragt Nussbaum und plädiert laut Sezgin dafür, im Erlassen und Durchsetzen von Gesetzen "Buchstabenstrenge durch wahrhafte Gerechtigkeit" zu ersetzen, sprich: den Einzelfall zu betrachten und Fingerspitzengefühl walten zu lassen. Wo die Allgemeinheit keinen Schaden nimmt, sind Ausnahmen zugunsten religiöser Toleranz angebracht: diese Konsequenz findet die Rezensentin so wichtig und plausibel, dass sie die Lektüre trotz der "schrecklich ungelenken" Übersetzung nachdrücklich empfiehlt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2014
Thomas Thiel hat einiges auszusetzen an Martha Nussbaums Versuch, anhand des Burkaverbots in Frankreich, des Schweizer Minarettverbots und der Debatte um den Bau eines islamischen Gemeindezentrums nahe Ground Zero religiöse Toleranz und ihre Grenzen in den USA und Europa miteinander zu vergleichen. Zunächst erstaunt Thiel, wie liberal in Sachen Religionsfreiheit in den USA geurteilt wird. Wenn Nussbaum allerdings die Gründe der Burkagegner angreift, stößt er auf "hinkende" Vergleiche (Mundschutz, Helme) und zeigt sich irritiert über die Meinung der Autorin, Burkas würden aus sozialem Zwang getragen. Der eigenen, laut Rezensent ohnehin "etwas luftig" formulierten Forderung, das Problem einfühlsam zu beobachten, wird die Autorin damit für Thiel nicht gerecht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2014
Ganz glücklich ist Uwe Justus Wenzel nicht mit diesem Buch der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum. Nicht, dass der Band sich mit der Selbstgefährdung demokratischer Staaten durch Angst und Intoleranz einem in Zeiten "islamistischer Verschärfung" eher unzeitgemäßen Thema annimmt, irritiert den Rezensenten (im Gegenteil erkennt er darin eine wichtige Langperspektive), sondern der Appell der Autorin, zwischen rationaler und irrationaler Angst zu unterscheiden. Nicht ganz einfach, meint Wenzel. Ebenfalls nicht ganz leicht fällt ihm die von der Autorin vorgenommene Unterscheidung zwischen Europa und den USA in Sachen Burkaverbot und anderer Verbote. Das Vergleichsland Schweiz (Stichwort: Minarettverbot) etwa scheint die Autorin nicht wirklich zu kennen, glaubt er.
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