Markus Pöhlmann

Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg

Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung 1914-1956
Cover: Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2002
ISBN 9783506744814
Gebunden, 421 Seiten, 52,00 EUR

Klappentext

Der Autor analysiert erstmals im Zusammenhang Inhalt und Funktionen dieser Geschichtsschreibung aus dem Geist des preußischen Generalstabs bis zum Abschluss des Hauptwerkes, den erst 1956 das Bundesarchiv vollzog.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Als "großes Verdienst" bezeichnet Rezensent Michael Epkenhans diese Schilderung der dunklen Seiten des ehemaligen Reichsarchivs auf der Grundlage "lange verschollen geglaubter Akten", das durch seine Politik die Erosion der ersten deutschen Republik maßgeblich beigetragen habe. Pöhlmann könne nachweisen, dass diese Institution schon von seinen Entstehungsbedingungen her eine besondere Einrichtung gewesen sei: "nämlich eine verschleierte Fortführung der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des preußischen Generalstabs", der aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags eigentlich hätte aufgelöst werden müssen. Mit großer Hartnäckigkeit hätten fast ausschließlich ehemalige Militärs, und nicht etwa zivile Archivare oder Historiker, die Deutungshoheit über die Weltkriegsgeschichte und den Zugang zu den Quellen verteidigt. Auch sonst habe, wie die vorliegende Studie belege, das Reichsarchiv versucht, mit verschiedenen Publikationen dem alten System ein Denkmal zu setzten, statt durch kritische Auseinandersetzung die Fundamente der Weimarer Republik zu stärken. 1933 sei das Archiv von wenigen zivilen Mitarbeitern gänzlich gesäubert worden. Auch das Bundesarchiv habe als Nachfolgeinstitution lange mit der Veröffentlichung geheimer Bände des Weltkriegswerkes gezögert, unterstütze aber inzwischen, wie wir lesen, "tatkräftig" und "mit großem Erfolg" neue Formen der Militärgeschichtsschreibung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2002

Michael Salewski ist beeindruckt von dem Buch, das sich mit der offiziellen Militärgeschichtsschreibung nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Er preist den Autor für seine subtile und gedankenreiche Studie", deren "bemerkenswerte Resultate" er würdigt. Besonders interessant findet der Rezensent nämlich, dass die amtliche Geschichtsschreibung des "Reichsarchivs" es sich zunächst durchaus nicht leicht machte und sich um eine "dialektische" Sichtweise der Kriegsgeschichte bemühte, wie der Autor zeigen kann. Dass die militärische Geschichtsschreibung später zu einer "seltsam eindimensional wirkenden 'Operationsgeschichte'" geworden ist, demonstriere der Autor eindrücklich. Klar wird auch, dass die Kriegsgeschichtsschreibung am Ende vor allem dem Zweck diente, das Volk auf den nächsten Krieg vorzubereiten, lobt der Rezensent.

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Elizabeth Strout. Erzähl mir alles - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…