Am 11. März 2002 ist Marion Dönhoff im Alter von 92 Jahren in Hamburg gestorben. Über ein halbes Jahrhundert war die Gräfin das moralische Rückgrat, die seelische Achse der Wochenzeitung "Die Zeit". Zwei ihrer Wegbegleiter und engsten Vertrauten, Haug von Kuenheim und Theo Sommer, haben in den letzten Monaten ihres Lebens zahlreiche Gespräche mit ihr geführt. Wie hielt sie es mit der Religion? Was dachte sie über die Monarchie als Staatsform, über die noch immer unvollendete Demokratie in Deutschland? Gab es für sie ewige, unverrückbare Wahrheiten? Welche Spielregeln braucht die Gesellschaft, welche Normen ein Gemeinwesen? Noch einmal sagte sie, was ihr im Leben wichtig war und was sie weitergeben wollte an die Nachwelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.10.2002
Die beiden Herausgeber haben sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt, können dieses aber nicht ganz erreichen, meint Rezensent Roderich Reifenrath: Haug von Kuenheim und Theo Sommer von der ZEIT haben ihre ehemalige Chefin drei Monate vor ihrem Tod "abgefragt", haben jüngere Manuskripte, Glossen und Kommentare gesammelt, um so ein Porträt aus sehr persönlichen Erinnerungen, "letzten Worten, letzten Aufzeichnungen, letzten Gesprächen" zu erstellen, wie wir erfahren. Der Vorgang des Abfragens, so Reifenrath, sagt fast mehr aus als die Antworten selbst, die die 92-Jährige zu geben in der Lage war. Durch die Schwäche der von Krankheit gezeichneten Dönhoff könne leider nicht ganz der Anspruch eines "geistigen Vermächtnisses" erfüllt werden. Trotzdem beeindrucke die Gräfin mit dem, was sie ihr Leben lang getan hat: "Reden und Handeln in politischen Kategorien." Und hier eröffnet sich für den Rezensenten die "Fülle dieser facettenreichen Persönlichkeit".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2002
Interessant und eigenwillig findet der Rezensent mit dem Kürzel "rab" das von Tonband transkribierte Lebensprotokoll und die Notizen der kürzlich verstorbenen Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff, die jetzt herausgegeben wurden, und bezeichnet sie als "eigenwillige zeithistorische Notengebung". Das wohl nicht zuletzt, weil die Meinungen Dönhoffs teilweise sehr konservativ, aber eben auch unkonventionell und von ihrem kulturellen Background geprägt waren. Darüber hinaus zeichnet sie ein ganz eigener Blick auf Personen der Zeitgeschichte - von Hindenburg über Helmut Schmidt bis hin zu Gregor Gysi - aus, findet der Rezensent.
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