Maren Gottschalk

Der geschärfte Blick

Sieben Journalistinnen und ihre Lebensgeschichte. (Ab 14 Jahre)
Cover: Der geschärfte Blick
Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2001
ISBN 9783407808813
Gebunden, 352 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Sieben Porträts berühmter Journalistinnen des letzten Jahrhunderts bis in unsere Zeit. Ob Kriegsberichterstatterin oder Gesellschaftskolumnistin - politisch engagiert betrachteten und betrachten sie die Welt kritisch und "mit geschärftem Blick". Porträtiert werden: Janet Flanner, die ihren amerikanischen Landsleuten aus einem von vier Kriegen erschütterten Europa berichtete; die Tschechin Milena Jesenska, zu Unrecht vor allem als Geliebte Kafkas bekannt, Martha Gellhorn, eine der engagiertesten Kriegsberichterstatterinnen unserer Zeit, Marion Gräfin Dönhoff, die Grande Dame des Journalismus und langjährige Herausgeberin der ZEIT, Ruth Weiss. die sich nach ihrer Flucht vor den Nazis in Südafrika vehement gegen die Apartheid einsetzte, die Italienerin Franca Magnani und Alice Schwarzer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2001

In einer Sammelbesprechung widmet sich Christina Thurner drei "biografischen Publikationen über Frauen".
1.) Maren Gottschalk: "Der geschärfte Blick" (Beltz und Gelberg)
Thurner scheint es sehr zu gefallen, dass die Autorin hier keine Neigung zum Glorifizieren zeigt, sondern sachlich die Lebenswege von sieben Journalistinnen schildert. Zwar ist, so die Rezensentin, durchaus "Bewunderung und (...) Anteilnahme" der Autorin spürbar. Doch dass Gottschalk auch Schwächen und Fehler dieser Frauen Raum gibt, gehört für Thurner zu den Stärken des Bandes. Deutlich wird ihrer Ansicht nach, auf welche Weise sich diese Frauen in einer für sie nicht immer förderlichen Umgebung dennoch durchgesetzt haben. Doch "zur direkten Nachahmung" sind diese Lebenswege nicht unbedingt geeignet, so Thurner. Denn so manche Biografie habe Gottschalk auch als Leidensweg dargestellt.
2.) Dorothee Hesse-Hoerstrup: "Lebensbeschreibungen für junge Leser" (Peter Lang)
In dieser Dissertation wird, so Thurner, "fundiert und plausibel" dargestellt, wie sich die Vorstellung davon, was ein Vorbild ist, im Laufe der Jahre gewandelt hat. So sei etwa eine Verherrlichung teils fiktionaler Art in Erzählungen und Romanen einer sachlicherer Darstellung primär informierenden Charakters gewichen. Zwei Aspekte hebt Thurner darüber hinaus als besonders interessant hervor. Zum einen habe die Autorin gezeigt, dass Biografien, die sich an Jugendliche richten, inhaltlich und was die Darstellung betrifft, kaum noch von denen, die eher Erwachsene als Zielpublikum haben, unterscheiden. Zum anderen gibt es mehr Biografien über Frauen - nicht nur, weil Emanzipation heute einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert hat, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen: Biografien werden nun mal viel lieber von Frauen als von Männern gelesen, so die Rezensentin.
3.) Margareta Strömstedt: "Astrid Lindgren" (Oetinger)
Nach Thurner nähert sich die Autorin hier dem "Phänomen Astrid Lindgren behutsam und sehr diskret". Das heißt im Klartext, dass die "Schattenseiten des Daseins ihrer Protagonistin" zwar nicht verschwiegen werden, jedoch kaum eine Rolle spielen. Schwerpunkt ist die recht unbeschwerte Kindheit Lindgrens, so Thurner, wobei die Autorin auch immer wieder (etwa durch Zitate) Verbindungen zu Lindgrens Kinderbüchern herstelle. Nach Thurners Diagnose geht es also auch weniger darum, einen Einblick in Lindgrens Leben zu erhalten, sondern darum, "das Geheimnis der Qualität von Lindgrens Geschichten aufzudecken".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2001

Zu den Heldinnen des Wortes, um die es hier geht, zählt die Rezensentin ja nicht gerade. Sollte das Buch jedoch wirklich nicht mehr zu bieten haben als die Erkenntnis, "das diese sieben Frauen nie aufgegeben haben ... ehrgeizig waren und ernsthaft, tapfer und manchmal störrisch" für ihren Traumberuf, dann steht es schlecht - um das Buch bzw. für die "jungen Interessierten", an die es sich wendet. Cathrin Kahlweit gelingt es in ihrer Besprechung, den Anspruch der Autorin so klein wie möglich zu halten (weder darum, Neues zu sagen noch Feinheiten herauszuarbeiten, gehe es ihr) und mit müden Einsichten ("Franca Magnani und Martha Gellhorn haben die Welt bereist, aufsehenerregende Interviews geführt und sich nie zufrieden gegeben") das Buch ins Abseits zu manövrieren. Ob das allerdings ihre Absicht war, ist zu bezweifeln.
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