Mario Vargas Llosa

Die Enthüllung

Roman
Cover: Die Enthüllung
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425602
Gebunden, 301 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Enrique ist glücklich verheiratet, beruflich erfolgreich und hat ein Riesenproblem: Er wird erpresst. Von Garro, dem Besitzer eines Boulevardblatts, der belastende Fotos hat und Enrique zwingen will, in die strauchelnde Zeitschrift zu investieren. Enrique sucht Rat bei Luciano, seinem alten Weggefährten und Anwalt, verliert jedoch im entscheidenden Moment die Nerven und bietet dem Erpresser offen die Stirn. Der bringt darauf die Fotos und wird kurze Zeit später tot aufgefunden, brutal ermordet. Enrique, geschäftlich wie moralisch ruiniert, glaubt, das sei das Ende. Doch es ist erst der Anfang. Denn während die Polizei ihn der Bluttat verdächtigt und er in undurchsichtige Machenschaften gerät, die aus den allerhöchsten Regierungskreise gesteuert scheinen, kommen sich seine und Lucianos Frau mehr als nur freundschaftlich nahe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2016

Bei Vargas Llosa scheint die Entwicklung irgendwie anders herum zu verlaufen als normalerweise, wundert sich Rezensent Sebastian Schoepp. Während seine ersten Romane wie "Die Stadt der Hunde" oder "Das grüne Haus" jene Weisheit und Komplexität in jeder Hinsicht aufweisen, die man eigentlich von erfahrenen Schriftstellern erwarten würde, zeichnet sich sein Spätwerk, insbesondere der neuste Roman "Die Enthüllung", durch glatte, klischeehafte Charaktere, fantasielose Schmuddel-Szenen, flache Handlungsstrukturen und plumpe Beschreibungen aus, die man eher einem (weniger talentierten) Schreib-Anfänger zuordnen würde, lesen wir. Lediglich eine Randfigur namens La Retaquita beweist, dass es mit Llosas Erzählkunst vielleicht noch nicht ganz vorbei ist, ansonsten hat der Roman wenig zu bieten, so der erbarmungslose Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2016

Sandra Kegel trauert um die verpassten Möglichkeiten im neuen Roman von Mario Vargas Llosa. Weit unter seinem Können, meint Kegel, vermengt der Autor hier Überlegungen zur Macht des Boulevards mit dem Thema Korruption und Scheindemokratie in seinem Land, uninspiriert, mit stereotypen Figuren und mittels schlichter Psychologie. Für Kegel sprachlich und dramaturgisch enttäuschend, und auch noch gekrönt mit einer Liebesszene, die der Rezensentin das Gruseln lehrt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.10.2016

Den "Skandal" um Mario Vargas Llosa, der nach mehr als fünfzig Jahren seine Ehefrau für eine ehemalige Schönheitskönigin verließ und fortan durch die Klatschspalten geprügelt wurde, dient dem neuen Roman "Die Enthüllung" natürlich als Hintergrundfolie, klärt Rezensent Marko Martin auf. Und doch ist dieses meisterhafte Buch weit entfernt von einer schlichten Abrechnung, fährt der Kritiker fort, der in der Geschichte um die mediale Vernichtung eines Upperclass-Pärchens und eines ehemaligen Rezitators durch einen soziopathischen Klatschreporter, einen "Joseph McCarthy der Gosse", so Martin, nicht nur grandiose Figuren, Drive, atmosphärische und psychologische Präzision vorfindet, sondern mit der Ausweitung der Erzählung auf den Sturz des peruanischen Fujimori-Regimes in den neunziger Jahren auch eine ebenso fesselnde wie witzige Interpretation von Zeitgeschichte liest. Llosas "sinnlicher Autoritarismus" und ein Hauch Frivolität vollenden das Leseglück des Rezensenten.
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