Mario Vargas Llosa

Alles Boulevard

Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst
Cover: Alles Boulevard
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518423745
Gebunden, 231 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Was einmal Kultur war, ist heute Spektakel, ein kunterbunter Amüsierbetrieb, leerer Lärm. Doch wie ist es dazu gekommen? Und was können wir dagegen tun? In seiner fulminanten Gegenwartsanalyse zeichnet Mario Vargas Llosa einige der tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte nach und findet Gegengift in überraschend vitalen Tugenden. Der totale Boulevard, die Dreistigkeit der Politik, die frivole Banalisierung nahezu aller Lebensbereiche Kultur wird heute systematisch verramscht. Und zwar als Folge eines Prinzips, über das weltweit Einigkeit zu herrschen scheint: dass Unterhaltung und Spaß unser allerhöchstes Gut zu sein hätten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2013

Kulturkritik ist längst ein eigenes Genre, weiß Ralf Konersmann, und den Rezensenten langweilt das ewige Herunterbeten der immer gleichen Litanei schon ein wenig. Auch Mario Vargas Llosas "Alles Boulevard" wartet nur sparsam mit Neuem auf, die meiste Zeit erliegt der Autor der "genretypischen Neigung zur Überraschungslosigkeit": die Intellektuellen verschwinden, die Kritik ist am Ende, Scharlatane bevölkern die Kunstlandschaft, Bilder verdrängen die Gedanken, fasst Konersmann zusammen. Llosa plädiert für die Rettung des ursprünglichen, engen Kulturbegriffs, der so etwas wie Hochkultur bezeichnen soll, die "üblichen Verdächtigen" des Feuilletons also - dabei ist diese Engführung nicht nur offensichtlich willkürlich, erklärt der Rezensent, sondern als Anrufung einer fernen Vergangenheit auch schlicht falsch. Die Beschränkung der Kultur auf Literatur, Malerei und Konsorten tauchte nämlich erst im neunzehnten Jahrhundert auf, weiß der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2013

Angesichts von dem Smartphone verfallenden Teenagern besitzt der Band mit Essays von Mario Vargas Llosa für Andreas Breitenstein Evidenz genug. Allerdings erkennt Breitenstein die Gefahr, der sich der Autor mit seinem kulturkritischen Rundumschlag auf Basis lebenslangen Nachdenkens über das Schöpferische aussetzt. Allem theoretischen Reflexionsvermögen des Autors zum Trotz, fallen dem Rezensenten Llosas Anbetung der Hochkultur, seine wenig gegenwärtigen, dafür stereotypen Beispiele für den drohenden Verfall sowie ein gewisser Unwille, genauer hinzusehen und zu differenzieren, beim Lesen ungut auf.

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