Catharina van Hemessen (1527/28-um 1583) ist die erste flämische Künstlerin, von der uns signierte und datierte Gemälde überliefert sind. Ihr in mindestens drei Varianten erhaltenes Selbstbildnis aus dem Jahre 1548 ist das früheste bekannte Gemälde, in dem sich eine Künstlerin oder ein Künstler an der Staffelei arbeitend und am eigenen Bildnis malend darstellt, und vermag uns Aufschluss zu geben über die junge Frau selbst wie auch über ihren Anspruch als Malerin. Insofern scheint es gerechtfertigt, das kleine Werk in den Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung zu rücken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2005
Völlig zu Recht billigt die Kunstgeschichte der Malerin Catharina van Hemessen (1527/28 bis etwa 1583) nach Einschätzung von Rezensent Manfred Schwarz keinen gehobenen Rang zu. Ihre künstlerische Manier findet er "steif und altertümlich", von "minderer Güte" und "mangelnder Qualität", und "weit hinter den künstlerischen Standards ihrer Zeit". Die Künstlerin selbst charakterisiert er als ein "unendlich fades und zutiefst langweiliges Bürgerstöchterchen". Einigermaßen verwundert zeigt er sich daher von Marguerite Droz-Emmerts umfassender Monografie, die ein ganz anderes Bild der Malerin zeichnet. In ihrer Studie erkennt er dann auch vor allem ein "Lehrstück" in Sachen "Wie man aus einer rückständigen Landpomeranze eine Heldin weiblicher Kunstgeschichte macht". Die Bewunderung und Begeisterung, die aus der Studie spricht, werde getragen von einer "methodischen und interpretatorischen Naivität, ja Leichtsinnigkeit", die Schwarz unverzeihlich findet. Zudem hält er der Autorin "abenteuerliche Spekulationen" und "rasante Überinterpretationen" vor. Immerhin räumt er ein, dass van Hemessen kulturhistorisch von gewissem Interesse sei, da sie zu den wenigen Künstlerinnen des 16. Jahrhunderts gehört, denen heute noch Werke zugeschrieben werden können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2005
Der Rezensent mit dem Kürzel "acg" ist sehr angetan von diesem Buch über Catharina van Hemessen, einer bislang eher unbekannte Malerin aus der Renaissance. Auch wenn ihre Bilder nach Meinung des Rezensenten im Vergleich zu denen einiger ihrer Zeitgenossinnen nicht unbedingend das Beeindruckendste sind, so liefert ihre Lebensgeschichte und ihr sozialer Hintergrund doch spannende Einblicke in ihre Zeit: "Was für (malende) Frauen damals möglich war, wird in diesem kleinen Band konzise und klar erzählt." Auch vermittelt das Buch einen Eindruck davon, "wieso sich damals ganz spezifische Formen der weiblichen Autorepräsentation haben herausbilden können".
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