Den drei in sich abgeschlossenen Beiträgen ist eines gemeinsam: die Intensität der auf das Künstlerindividuum und sein Werk konzentrierten Beobachtungsarbeit. Im Oeuvre Vermeer van Delfts arbeitet der Autor im Zuge einer exemplarisch konzipierten Gemäldeanalyse verborgene künstlerische Aspekte heraus, wie z.B. die Ironie des Malers und seine Entmythologisierung klassischer und christlicher Themen. Der Aufsatz über Pieter Bruegel bereichert die Liste des graphischen Werks dieses Meisters mit der Zuschreibung der bezaubernden "Kleinen Dorf- und Stadtansichten", die in der bisherigen Forschung recht stiefmütterlich behandelt wurden. Über das Selbstbildnis Rogier van Weydens auf der gegen 1450 entstandenen Tapisserie mit den "exempla justitiae" des Kaisers Trajan und des Grafen Herkinbald, heute im Historischen Museum Bern, fällt neues Licht auf die Identität des großen Brüsseler Malers mit dem sogenannten "Meister von Flemalle".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2005
Fasziniert zeigt sich Thomas Gädke von Reinhard Liess' Studien zur niederländischen Kunst, die durch "vorzügliche Bildanalysen" glänzen. Liess analysiere zunächst Vermeers Bild "Bei der Kupplerin" und erörtere dabei "sorgfältig" die einzelne Aspekte von der Ikonographie, Farbe, Bildkomposition bis zu technischen Fragen und der Interpretation der Figuren sowie der Einordnung in Vermeers Werk. "Eindringlich deutende Beschreibungen" erstreckten sich über das im Zentrum stehende Bild hinaus auf etliche Werke Vermeers. "Der Gewinn liegt in einem aus der Anschauung gewonnenen, präzise erläuternden Verständnis seiner Kunst, das so in der Literatur noch nicht zur Sprache kam", lobt Gädke. Gleiches gelte für Liess' Studie zum älteren Bruegel sowie für seinen Aufsatz über Rogier van der Weyden. Bedauerlich findet Gädke, dass der Verlag den Band nur mit "dürftigen Bildmaterial" ausgestattet hat.
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