Aus dem Spanischen von Jan Weiz. Dies ist die Geschichte über die Entstehung eines Stadtteils am Rand einer nordkolumbianischen Großstadt. Die ersten Siedler nennen ihr neues Zuhause selbstironisch "Chibolo", die Beule. Es sind ihrer dreißigtausend, die eines Morgens mit ganzen Karawanen von Autobussen angekarrt werden, um das Land zu besetzen und ihre Parzelle in Besitz zu nehmen. Es entsteht das, was wir gemeinhin als Slum bezeichnen. Dabei geht es im Wesentlichen um die Landfrage, die in Lateinamerika immer noch im Zentrum der meisten sozialen und politischen Kämpfe steht. Und Schwartz erzählt große Geschichten, die immer wieder an biblische Geschichten erinnern: Vertreibung aus dem Paradies, Brudermord, Landverheißung, Exodus, Messias. Doch so, wie Marco Schwartz es hier tut, kann man die Bibel nur in Lateinamerika und in der Karibik schreiben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2009
Einige Leser werden Marco Schwartz' Roman über die dreißigtausend landlosen Kolumbianer, die in einem Akt der Rebellion eine Kolonie am Rand einer großen Stadt gründen, als "linke Streitschrift" zu würdigen wissen, vermutet Uwe Stolzmann. Der Rezensent jedoch ist von diesem Buch, an dessen Niederschrift der kolumbianische Autor von 1985 bis 2000 arbeitete, insbesondere was die literarischen Qualitäten angeht, nicht überzeugt: der alttestamentarische Gestus gepaart mit schlichtem Pathos wirkt auf ihn vor allem hölzern, die zahlreichen Figuren bleiben blass, und überhaupt lässt das Werk "Kühnheit, Originalität" vermissen, beschwert er sich. Und auch wenn Schwartz in seinem "Karibischen Testament" die Geschichte Kolumbiens in verfremdeter Form verarbeitet, was ihr in seinen Augen immerhin mehr Gewicht verleiht, so muss Stolzmann feststellen, dass dies sein Landsmann Gabriel Garcia Marquez bereits überzeugender getan hat.
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