Aus dem Spanischen von Frank Henseleit. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs reist Juan Martínez gemeinsam mit seiner Frau nach Istanbul, wo die beiden Flamencotänzer ein attraktives Engagement angenommen haben. Doch die wilde Stadt am Bosporus ist nur die erste Station einer langen Reise quer durch Europa, die sie tanzend, trinkend und feiernd in die Salons der Schönen und Reichen ebenso wie in zwielichtige Clubs und Kaschemmen der Armen führt. Nach Kriegsausbruch stehen die beiden unter Spionageverdacht und fliehen aus der Türkei. Sie reisen zunächst über Bulgarien nach Rumänien. In Hoffnung auf eine Atempause geht die Reise weiter nach Russland, wo sie jedoch in die Wirren der Revolution geraten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.12.2015
Tobias Lehmkuhl zeigt sich ein bisschen enttäuscht über Manuel Chaves Nogales' hellsichtigen Blick auf die Verwerfungen des Ersten Weltkriegs und den Totalitarismus in der Sowjetunion, diesen fiktionalen Bericht aus dem Jahr 1929, der nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Wenn der Autor mit dem Tänzer auch eine Figur außerhalb der Geschehnisse geschaffen hat, einen quirligen Beobachter, bleibt sie doch hölzern, findet Lehmkuhl. Wie auch eine Handlung eigentlich gar nicht existiert, nur historische Ereignisse, die dem Leser wie in Schlagzeilen dargeboten werden, meint der Rezensent. Respektable Recherchearbeit, findet er, aber kein spannender Roman.
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