Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Griechenland-Krise? Flüchtlingsdramen an Europas Südostküste? Gab es alles schon im Ersten Weltkrieg, und ein junger Mann aus Barcelona, der unter dem Pseudonym Gaziel zu einem der elegantesten und besten Journalisten Spaniens wurde, hat es aufgeschrieben. Mit dem Schiff fuhr er 1915 nach Griechenland, wo er statt klassisch humanistischer Szenerien ein in Auflösung begriffenes zerrissenes Staatswesen von Europas Gnaden vorfand. In Saloniki, von Engländern und Franzosen besetzt, unterhält er sich mit der in Angst und Schrecken versetzten jüdischen Bevölkerung, bevor er in Richtung Serbien fährt und vom Elend der von deutschen und bulgarischen Truppen vertriebenen Flüchtlinge erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2016
Stephan Wackwitz hält das nun auf Deutsch publizierte Buch des katalanischen Kriegsreporters Agusti Calvet Pascual alias Gaziel aus dem Jahr 1915 für zu Recht vergessen. Den vom Verlag veranschlagten aktuellen Bezug zur Flüchtlingskrise kann er in dem Reisebericht aus Italien, Griechenland und vom Balkan nicht erkennen. Gaziels rhetorisch aufgeregt pathetischer Stil sagt ihm nicht zu und bringt "wenig politischen Wissenszuwachs". Wie detailliert damals in Barcelona über weit entfernte Ereignisse berichtet wurde, erstaunt Wackwitz zwar, doch die politische Dynamik dieser Ereignisse kann der Text ihm nicht vermitteln, die Vorurteile des Autors schon eher.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2016
Die Reportagen aus Saloniki und Serbien, die der spanische Dandy und Reporter Agusti Calvet im Jahre 1915 unter dem Pseudonym Gaziel verfasste, sind ein "kleines Wunder", schwärmt Rezensentin Christiane Schlötzer. Die Texte sind nicht nur fesselnd geschrieben, sondern offenbaren auch noch nach hundert Jahren einen erstaunlichen Gegenwartsbezug, fährt die Kritikerin fort: Zunächst liest sie Gaziels Berichte aus Saloniki, das er als einer der ersten Kriegsberichterstatter besuchte: Schlötzer bewundert insbesondere Gaziels ebenso eindringlichen wie bewegenden Blick für das Gewöhnliche, vor allem wenn er von der damals noch 70 Prozent der Bevölkerung ausmachenden sephardisch-jüdischen Gemeinde in Saloniki erzählt. Insbesondere aber, wenn Gaziel aus dem Krieg in Serbien und den zahlreichen Flüchtlingen berichtet, erscheinen der Rezensentin die Texte ausgesprochen aktuell.
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