Klaus Jochen Arnold

Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion

Kriegführung und Radikalisierung im 'Unternehmen Barbarossa'
Cover: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783428113026
Kartoniert, 579 Seiten, 48,80 EUR

Klappentext

Führte die Wehrmacht 1941/42 einen "planmäßigen Vernichtungskrieg" gegen die Zivilbevölkerung, gefangene Rotarmisten und die jüdischen Bevölkerungsteile? Waren Generäle und einfache Soldaten aus eigener Initiative an nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt? Welche Umstände förderten die Verwicklung in verbrecherische Politik? Diese Fragen behandelt der Autor anhand der zentralen Aspekte der deutschen Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion: der Ausbeutungspolitik, Behandlung der Kriegsgefangenen, Partisanenbekämpfung und der Beteiligung am Mord an den sowjetischen Juden. Die Besatzungspolitik im "Unternehmen Barbarossa" war das Resultat einer kontinuierlichen Radikalisierung, die zum Katalysator für die Verbrechen des NS-Regimes avancierte. Für die Verwicklung der Wehrmacht waren die unerwartete Entwicklung der militärischen Operationen, die sich verschlechternde Nachschub- und Transportlage, die sowjetische Politik der "Verbrannten Erde", die Entfesselung eines Partisanenkrieges im Rücken der Front, die Härte der Kämpfe sowie die Verschärfung des Klimas durch Verbrechen und Propaganda wesentlich. Dem standen die Erfahrungen mit einem Großteil der Bevölkerung und Hunderttausenden Kriegsgefangenen entgegen, die sich oft freundlich und aufgeschlossen zeigten. Die Radikalisierung der deutschen Methoden entsprang den außergewöhnlichen Bedingungen des deutsch-sowjetischen Krieges und einer durch Hitler und andere Stellen zielgerichtet befohlenen Verschärfung; sie war nicht das Ergebnis "ideologischer" oder "systematischer Vernichtungspläne". Eine Übereinstimmung zwischen Hitler und der Generalität ist schon bei der Vorbereitung des Feldzuges nicht feststellbar. Befehlshaber versuchten, das Massensterben unter sowjetischen Kriegsgefangenen und das Hungern der Stadtbevölkerung zu verhindern, außerdem Exzesse der Truppe bei Plünderungen oder im Partisanenkrieg zu unterbinden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2006

Einen ambivalenten Eindruck hat Klaus Jochen Arnolds Studie über den Einsatz der Wehrmacht in der Sowjetunion bei Rezensent Christian Hartmann hinterlassen. Anerkennung zollt er den umfangreichen Quellenkenntnissen des Autors sowie seiner ausführlichen und nuancierten Darstellung der wichtigsten Einsätze der Wehrmacht. Zudem würdigt er Arnolds Betonung der wechselseitigen Radikalisierung beider Armeen auf dem sowjetischen Kriegsschauplatz. Ein Aspekt, der nach Ansicht Hartmanns in der deutschen Forschung oft vernachlässigt wird. Andererseits hält er dem Autor vor, gerade über diesen Aspekt die ideologischen Handlungsvorgaben der deutschen Führung zuweilen zu sehr aus dem Auge zu verlieren. Kritisch äußert sich Hartmann zudem über die nicht immer klare Sprache des Autors, die gelegentlich zu Missverständnissen Anlass gibt. Dennoch würdigt er die Studie als "wichtigen Beitrag zur Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges".
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