Manfred Hettling (Hg.), Bernd Ulrich (Hg.)

Bürgertum nach 1945

Cover: Bürgertum nach 1945
Hamburger Edition, Hamburg 2005
ISBN 9783936096507
Gebunden, 438 Seiten, 35,99 EUR

Klappentext

Beiträge von Ulrich Bielefeld, Heinz Bude, Eckart Conze, Thomas Großbölting, Reinhart Kosseleck, Wolfgang Kraushaar, Kai Arne Linnemann, Bedrich Löwenstein, Burckhardt Lutz, Josef Mooser, Klaus Naumann, Bernd Ulrich, Michael Wildt, Günter Wirth. Herausgegeben von Manfred Hettling und Bernd Ulrich.
Der vorliegende Sammelband fragt erstmals nach den fortdauernden Elementen von Bürgerlichkeit in der deutschen Nachkriegsgeschichte. In autobiografisch motivierten Interpretationen sowie in historischen und soziologischen Untersuchungen zeigen die Autoren, was vom einstigen politischen Ordnungsmodell der bürgerlichen Gesellschaft weiter Bestand hatte und selbst noch in ihren Wandlungsprozessen die Geschichte der Bundesrepublik zu beeinflussen vermochte. Damit greift der Band zugleich in aktuelle Diskussionen um die Bürger- oder Zivilgesellschaft ein. Denn der Ruf nach einer neuerlichen Etablierung bürgerlicher Werte im Zeichen der Krise erschöpft sich in bloßer Rhetorik, solange nicht die Bedingungen ihrer vormaligen Existenz untersucht werden. Analysen und Reflektionen über die Neuformierungen und Wandlungen des bürgerlichen Wertehorizontes, die Kontinuitäten und Veränderungen bürgerlicher Lebensstile in den fünfziger und sechziger Jahren, über die Homogenität oder auch Auflösung bürgerlicher Schichten tragen nicht nur zu einem besseren Verständnis der Geschichte der Bundesrepublik und der DDR bei, sondern beleuchten Begriffe wie Bürgergesellschaft oder Neoliberalismus in historischer Perspektive neu.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2006

Dass Bürgerlichkeit keine Modeerscheinung ist, sondern eine trotz ihrer begrifflichen Unschärfe politisch und soziokulturell konstitutive Größe, hat die Lektüre dieses von Manfred Hettling und Bernd Ulrich herausgegebenen Sammelbandes den Rezensenten gelehrt. Werner Bührer stellt die drei Teile des Bandes (Annäherung, Leitideen, Sozialformationen) und ihre Beiträge knapp vor. Er stößt auf eine "gewohnt geistreich-provokante" Analyse dreier Bürgertumsgenerationen von Heinz Bude, ein Abdriften vom Thema in Ulrich Bielefelds Auseinandersetzung mit Hans Freyer und würdigt den Band schließlich als gelungene Rehabilitation der Begriffe "Bürgertum" und "Bürgerlichkeit".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.08.2005

Während die einen den Untergang der Bürgerlichkeit nach 1945 beklagen, wollen andere sie bereits wiederbeleben, wundert sich Angela Gutzeit. Zur Renaissance der Bürgerlichkeit passt ihres Erachtens gut der vorliegende Band, der Beiträge von 14 Historikern versammelt. Lässt sich denn so ohne weiteres an bürgerliche Traditionen anknüpfen, fragt Gutzeit - und wenn ja, warum? Die Rezensentin findet ihre Frage nur teilweise beantwortet. Klar werde, dass es nur "Bruchstücke" dieser Traditionen sein könnten, da das Bürgertum in Deutschland nie so stark ausgeprägt gewesen sei und durch die Nazizeit, die DDR, aber auch durch die Studentenrevolte "Federn gelassen" habe. Ärgerlicherweise verknüpfen viele Autoren ihre Untersuchung mit der Biografie einer bürgerlichen Persönlichkeit, beklagt Gutzeit, die sie im Einzelfalle wie bei dem neoliberalen Volkswirtschaftler Röpke eher nicht interessieren. Andere Aufsätze wie zur "Entbürgerlichung der DDR" reflektieren nur noch mal bekannte Positionen, kritisiert Gutzeit weiter. Besonders ärgerlich findet sie aber vor allem, dass keine einzige Historikerin zum Thema beitragen durfte: Fazit des Buches: bruchstückweise interessant.

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