Mit zahlreichen zum Teil farbigen Abbildungen. Das europäische Theater war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt durch ein Nebeneinander unterschiedlichster Positionen und künstlerischer Richtungen: neben der Weiterführung realistischer Traditionslinien vor allem von Reformen, Revolten und Grenzüberschreitungen, die eine unerhörte experimentelle Dynamik entfalteten und eine kaum überschaubare Vielfalt neuer theatraler Formen und dramaturgischer Konzepte entstehen ließen. Dabei erwies sich insbesondere das Zusammenspiel von Theater und bildender Kunst als innovative Kraft. Zur Sphäre des Politischen geriet das Theater in diesem Zeitraum in ein ambivalentes Verhältnis. Noch einmal hatte das Theater eine große Zeit als Forum des gesellschaftlichen und nationalen Wertediskurses, als Ort der Aufklärung; es war aber auch Instrument ideologischer Indoktrination und politischer Agitation. Die drei großen Theatermodelle aus den 20er und 30er Jahren sollten das Theater im 20. Jahrhundert dauerhaft inspirieren: der psychologisch verfeinerte Realismus Stanislavskijs, die grenzgängerische Theatervision Antonin Artauds, das epische Theater Bertolt Brechts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2004
Was man nun von Manfred Braunecks groß angelegter Geschichte des europäischen Theaters, deren vierter Band hier besprochen wird, halten soll, weiß der Kritiker Hansres Jacobi offensichtlich selbst nicht so ganz. Lang und breit referiert er Aufbau und Inhalt des knapp 1000 Seiten dicken Wälzers: einen "ersten Schwerpunkt" setzt das französische Theater, "mit besonderer Ausführlichkeit" wird dann das deutsche Theater abgehandelt, wobei Max Reinhardt einen "markanten Platz" einnimmt. Ein "gebührenden Platz" hingegen wird dem Schweizer Theater eingeräumt, während die Tschechoslowakei anscheinend etwas zu kurz kommt. Dafür wird das englische Theater "etwas ausführlicher" behandelt, in angeblich "gebührender Kürze" das niederländische skizziert und schließlich mit "kräftigem Akzent" die russische beziehungsweise mit "wichtigem Akzent" die polnische Entwicklung dargestellt. Mehr ist dieser Kritik nicht zu entnehmen. Ach doch! Ein kluger Rat schließt die Inhaltsangabe: Wenn sich der Autor Brauneck schon die Mühe gemacht hat, vier Bände zu schreiben, dann wäre es doch "sinn- und verdienstvoll" auch noch einen fünften nachzuschieben. Man verstehe es als Lob.
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