Thomas von Steinaecker

Wallner beginnt zu fliegen

Roman
Cover: Wallner beginnt zu fliegen
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783627001407
Gebunden, 366 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Stefan Wallner, verheiratet mit der Deutsch-Rumänin Ana, hat sich mit seiner Firma für Landmaschinen eine Heimat geschaffen. Der berufliche Erfolg ließ ihn seine katastrophale Vaterbeziehung vergessen. Aber über die Jahre hinweg, in denen die Firma floriert, schließlich mit einer anderen fusioniert und an die Börse geht, bröckelt das enge Verhältnis zu den Mitarbeitern innerhalb des Betriebs. Wallner fühlt sich verfolgt, wittert eine Verschwörung. Sein Sohn Costin ahnt nichts von der eginnenden Paranoia seines Vaters. Doch was bei Stefan Wallner nur im Kopf stattfindet, das erlebt Costin in Wirklichkeit, er zappt sich durch sein Leben und seine Rollen wie durch eine Fernsehserie. Er macht Karriere als Superstar einer vom Fernsehen gecasteten Popgruppe, er lebt Alternativkarrieren als Synchronsprecher in einem Hitler-Zeichentrickfilm oder als Ex-Promi in einer Reality-Show.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.06.2007

Ein viel versprechendes Romandebüt hat Rezensent Jan-Frederik Bandel in Thomas von Steinaeckers "Wallner beginnt zu fliegen" gefunden, auch wenn die Lektüre nicht ohne Mühe ist, wie er einräumt. Es geht in dem Roman um drei Familienmitglieder der Wallners: den Vater, der sich in paranoidem Wahn nach Paris absetzt, den Sohn, der eine drittklassige Karriere als Popstar hinlegt, und seine Tochter Wally, die sich als Literaturwissenschaftlerin mit weiblichem Schreiben auseinandersetzt und, wie sich herausstellt, den vorliegenden Roman geschrieben hat, erklärt der Rezensent. Es handelt sich um einen Roman, der weit in ins 21. Jahrhundert ausgreift, ohne eine Spur von technikbegeisterter Science Fiction zu bieten, stellt Bandel fest. Vielmehr befindet sich die zukünftige Welt im "Retrotrend" und setzt sich wie schon die Erzählerin in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit heute allgemein ad acta gelegten Theorien auseinander. Das Buch kommt nicht ohne eine akademische Note daher und ist mit seiner ambitionierten Sprache - seinen Wiederholungen, Stakkatosätzen und der kunstvoll inszenierten Alltagssprache - keine leichte Lektüre. Diese Mühe findet der Rezensent allerdings durchaus lohnenswert, wie er betont, und er preist den Roman als insgesamt überzeugendes Debüt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.06.2007

Dieser klug komponierte "Zeitroman" hat dem Rezensenten Rolf-Bernhard Essig wirklich imponiert. Beschrieben werden drei Menschen aus drei Generationen einer Familie. Immer wieder bricht Autor Thomas von Steinaecker dabei den Informationsfluss abrupt ab - dem Rezensenten gefällt das, weil ihm so die Intelligenz zugebilligt wird, die Lücken selbst zu füllen. Sehr gefallen hat Essig auch die Art, wie der Autor das Vergehen der Zeit gestaltet, wie die Personen versuchen, der Trägheit und dem alltäglichen Leben zu entkommen. Besonders hervorzuheben sei bei aller Auseinandersetzung mit den Nöten der Arbeitswelt, dass der Autor, auch anhand seiner starken, lakonischen Sprache, seine Figuren nie denunziere. Der Roman, der auch Elemente von Collage und Montage verwendet, ist so nie beliebig, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2007

Begeistert und genervt zugleich ist Rezensent Helmut Böttiger von diesem Debütroman, der seiner Beschreibung zufolge ein etwas anderer Familienroman geworden ist. Denn er hat ein ungewöhnliches Zeitkonzept, beginnt in der Gegenwart und endet in der Zukunft. Erzählt werde die Geschichte einer Familiendynastie, und zwar aus der Sicht einer unehelichen Tochter, die erst mit achtzehn Jahren von ihrer Zugehörigkeit zu dieser Familie erfährt. Schwer lastet am Anfang die Konstruktion des Romans auf Böttiger Schultern: "Die Kapitel zerfallen in unzählige kleine Einzelkapitel, in Bilder, die unverbunden nebeneinander stehen bleiben" stöhnt er leidgeprüft. Hier entstehe nichts spontan, sondern sei vorher genauestens ausgetüftelt worden. Aber je länger das Buch, desto besser werde es auch, lesen wir bald. Am Ende ist der Rezensent beeindruckt, wie gut es Thomas von Steinaecker gelang, in seiner Darstellung von vier Generationen die literarischen Konsequenzen aus der aktuellen, medial vermittelten Erfahrung zu ziehen, dass es nichts Episches mehr geben kann, weil die unmittelbare Gegenwart alles aufsaugt, lineare Zeitabläufe nicht mehr möglich sind und ganze Generationenfolgen auf einen Punkt zusammenschnurren.
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