Gerechtigkeit findet nicht nur zwischen Zeitgenossen statt - auch das Handeln früher lebender Menschen kann Ansprüche und Pflichten gegenwärtig und zukünftig lebender Menschen begründen. Der Autor entwickelt die Theorie einer historischen Gerechtigkeit auf der Basis der Pflichten zwischen den Generationen. Betrachtet werden dabei besonders Pflichten, die aufgrund der andauernden Wirkung historischen Unrechts entstehen, die gegenüber toten Opfern erwachsen, Pflichten der Dankbarkeit und des Respekts und Gerechtigkeitsansprüche beim Übergang von einem vorrechtsstaatlichen Regime zu einer rechtsstaaatlichen Ordnung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2006
Einen Schritt in die Selbständigkeit der analytisch ausgerichteten Philosophie in Deutschland hat Lukas H. Meyer nach Ansicht von Michael Schefczyk getan mit seiner Studie über "Historische Gerechtigkeit". Sorgfältig geht er dem Anspruch auf "Erfüllung von Pflichten, die sich aus historischem Unrecht ergeben", nach. Können beispielsweise Afroamerikaner klagen, sie litten noch heute unter den Folgen der Sklaverei? Um diesem Dilemma zu entkommen, referiert der Rezensent, bringt Meyer einen "identitätsunabhängigen Schadensbegriff" ins philosophische Spiel und beruft sich auf "überlebende Pflichten", etwa das Recht der Opfer von Verbrechen, "angemessen erinnert zu werden". Meyer, in dem Schefczyk einen "liberalen Kosmopoliten" erkennt, hält im konkreten Fall der Roma und der Saami "Maßnahmen zur Stärkung der kulturellen und politischen Autonomie für angemessen". Sein Werk schließt der Philosoph - nach einem Exkurs zur "Radbruchschen Formel" - ab mit einem Vergleich von zu Amnestie berechtigten Wahrheitskommissionen und strafrechtlicher Verfolgung von Tätern.
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