Luiz Ruffato

Es waren viele Pferde

Roman
Cover: Es waren viele Pferde
Assoziation A Verlag, Hamburg - Berlin 2012
ISBN 9783862414208
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler. n 69 Szenen - Schlaglichtern, Stimmen, Gedanken - entwirft der erste Roman des brasilianischen Ausnahmeautors Luiz Ruffato ein kaleidoskopisches Bild der Megacity São Paulo mit ihrem Glamour, ihrem Elend, ihrer Verlogenheit und ihrem Schmerz, der sich in den Falten und Rissen zwischen spiegelnden und zerfallenden Hochhauslandschaften verbirgt. Die verschiedenen Szenen fügen sich zur Geschichte eines Landes, das von Gewalt und Entwurzelung gezeichnet ist. Jede der Geschichten hat eine eigene Stimme, einen eigenen Ton, eine eigene soziale Färbung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2013

Mit viel Lob bedenkt Cejana Di Guimarães diesen im Original 2001 erschienenen Roman von Luiz Ruffatos São, der jetzt endlich in deutscher Übersetzung vorliegt. Sie würdigt den Autor als einen der bedeutendsten brasilianischen Schriftsteller seiner Generation. Ruffatos Sao-Paulo-Roman "Es waren viele Pferde", in Brasilien von der Kritik gefeiert und mehrfach ausgezeichnet, erzähle "mit mikroskophischer Präzision" in siebzig Szenen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, die Geschichte der Megacity Sao Paulo und ihrer Einwohner. Guimarães attestiert dem Autor, die bunte Vielfalt dieses Molochs - das Chaos, die Gewalt, das Elend, der Reichtum, die Dekandenz - in einer pulsierenden, filmischen Sprache einzufangen und verschiedensten Textsorten wie Briefen, Einkaufslisten, Gebeten oder Gedichten abzubilden. Für die Rezensentin ist das Modernismus in seiner besten Form, ein Werk, das "Kritik und Apotheose" verbindet, mit einem Wort "große Literatur".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2012

Den babylonischen Irrsinn Sao Paulos in einen Roman zu packen - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, findet Mathias Schnitzler. Dem brasilianischen Autor Luiz Ruffato ist es laut Rezensent allerdings gelungen, und zwar, indem er mit Joyce im Kopf einen Tag lang die Megastadt, das Nebeneinander von Arm und Reich, von Politikern, Managern, Nutten, Dealern und Straßenhändlern beobachtet und aufgezeichnet und mittels Collagetechnik in ein nervös flackerndes Panorama verwandelt hat. Herkömmlich ist an diesem Buch, trotz Anleihen bei Joyce und Dos Passos, für Schnitzler eigentlich nichts, keine Handlung, keine zusammenhängenden Kapitel, stattdessen Monologe, Bewussteinsströme, Anrufbeantworternachrichten, Gestammel. Und doch handelt es sich für Schnitzler um das wohl aufregendste und wichtigste Buch aus Brasilien seit langem.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2012

Frisch aus Brasilien zurückgekehrt, bringt Lutz Taufer eine dringende Lektüre-Empfehlung mit: Luiz Ruffatos Roman "Es waren viele Pferde". Als grandioses Porträt der Megalopole Sao Paulo feiert Taufer das Buch, das in 69 Momentaufnahmen Schlaglichter auf diesen Wahnwitz an Leben wirft: Die Reichen und die Schönen hinter ihren Zäunen, die Kriminellen hinter ihren Gefängnismauern, die Mittelklasse und korrupte Politiker, sie alle kommen vor an diesem einen Tag in Sao Paulo, aber Ruffatos Interesse gilt den Straßenkinder, Prostituierte und Arbeiter. Er hat "das Buch der armen Schweine" geschrieben, freut sich Taufer, der weiß, was das in Brasilien bedeutet: Denn hierzulande mag der Begriff der Marginalisierten politische und akademische Aufmerksamkeit sichern, in Brasilien ist "O Marginal" noch ein echtes Schimpfwort! Und auch wenn Taufer selbst einen sehr politischen Blick auf den Roman wirft, macht er doch sehr deutlich, dass er ein durch und durch brasilianisches Werk ist: Hier wird nicht analysiert, sondern erzählt: "In Monologen, Dialogen, Tetralogen".
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