Aus dem Brasilianischen von Barbara Mesquita. Sao Paulo. Ein Frauenmörder verbreitet im Stadtteil Lapa Furcht und Schrecken. Wer ist er? Ritas Ehemann, der schon als Kind den Liebhaber seiner Mutter umgebracht hat? Oder der unauffällige Angestellte, der auf elegant gebügelte Hemdkragen hält?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2003
Rezensent Kersten Knipp leidet etwas bei der Lektüre dieser Beschreibung von Psychopathen in Patricia Melos Roman. Vor einem schweigsamen Kommissar verdächtigt die Protagonistin Rita (selbst Psychopathin) auf langen siebzig Seiten ihren Mann, ein Psychopath zu sein - und zwar der berüchtigte Unbekannte, der mehrere Frauen sadistisch mordete und missbrauchte, stöhnt der Rezensent. Die Furcht Ritas, das nächstes Opfer ihres Ehemanns zu werden, hält den Leser eine zeitlang im Bann. Man beginnt ihre Logik zu kennen, den Rhythmus ihrer Ängste und schließlich auch die reale Gefahr in der sie tatsächlich schwebt, schreibt Knipp. So hat er gespannt dem zweiten Teil entgegen gesehen, in dem ein weiterer Psychopath auftaucht, ein Kanzleiangestellter, der immer wieder in Gedanken lustvoll seine Nachbarin massakriert. Die Opferphantasien Ritas, so Knipp, finden ihre Entsprechung in den Tagträumen der enthemmten Täterphantasien. Knipp findet "die x-te Variante des vorgestellten Mordes weder sonderlich spannend noch amüsant", wenngleich er die "Plastizität und Intensität" bewundert, mit der die Autorin die Opfer- und Täterphantasien ausbreitet. Schlussendlich zeige sich aber eher der Stilisierungswille der Autorin, der in den kurzatmigen Sätzen aufscheint, als das Innenleben der Protagonisten, empfindet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 30.11.2002
Anne Kraume hat sich im Labyrinth von Patricia Melos Roman "Ich töte, du stirbst" verirrt - denn wer hier der Mörder ist und wer das - mögliche - Opfer, bleibt unklar. Es sei nicht einmal klar, ob überhaupt jemand ermordet wird. Erzählt wird die Geschichte von Rita, die ihren Ehemann verdächtigt, sie vergiften zu wollen. Doch Rita macht auf unsere Rezensentin selbst einen eher wirren Eindruck. Das liegt wiederum an der Autorin, die Ritas Gedankten ständig unterbricht mit Filmzitaten und Schnipseln aus der Tagespresse, so Kraume. Patricia Melo feuere "mit vollen Händen Requisiten auf die Bühne ihres Romans, und manchmal scheinen die Figuren beinahe darunter zu ersticken". Auch ihre Worte - "staccatoartig und abgehackt" - scheint Melo wie eine Waffe gegen den Leser zu benutzen. Und doch hat man am Ende der Rezension den Eindruck, dass Kraume nicht unbeeindruckt von der Lektüre war.
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